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CHAUCER.

Old Chaucer like the morning star,
To us discovers day from far;
His light those mists and clouds dissolv'd
Which our dark nation long involv’d;
But he descending to the shades
Darkness again the age invades.

Denham.

GEOPFERY CHAUCER wurde im Jahre 1326 zu London, einer schon damals ansehnlichen und ziemlich reichen Stadt, geboren, und zu Cambridge und Oxford erzogen. Hierauf studierte er die Rechte, und wurde Mitglied des Juristenkollegiums in Middle - Temple zu London. Nachdem er die Niederlande und Frankreich besucht hatte, begab er sich an den Hof Edward's III, erwarb sich die Gnade des Königs in einem hohen Grade, wurde von demselben öfters in auswürtigen Angelegenheiten gebraucht, und durch Ertheilung der Würde eines Kämmerers und Königl. Schildtrügers, und am Ende durch die einträgliche Stelle eines Kontrolleurs der Woll - Accise belohnt. Chaucer hatte sich im Jahre 1360 mit einer Hofdame der Herzogin von Lancasier verheirathet, und war in die Dienste des Herzogs gegangen.

Da-' durch hatte er sein Glück sehr befördert: Nach dem im Jahre '1377 erfolgten Tode Edward's III wurde der Her-200 Vormund des ininderjährigen Enkels desselben, Richard II, und dies schien anfänglich für unsern Dichter 'ein glücklicher Umstand zu seyn; der Herzog zerfiel indessen bald mit dem jungen Könige, und Chaucer's schöne Hoffnungen wurden nicht nur vereitelt, sondern er sah sich auch wegen seiner Anhänglichkeit an den Herzog verfolgt. Da

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überdies seine Vermögensumstände in grosse Unordnung gerathen waren, so entfernte er. sich vom Hofe, begab sich nach London, wurde hier aber 'in Perhaft genommen, und nicht eher frei gelassen, bis er das Gestündniss dessen abgelegt hatte, was ihm von der Gegenparthei des Königs bekannt war. Nun begab er sich nach seinem kleinen Landsitze bei Woodstock, und blieb hier bis in sein 65stes Jahr. Um diese Zeit heirathete der Hercog von Lancaster die Schwester von Chaucer's Frau, und durch die Fürsprache desselben erhielt unser Dichter ein neues Jahrgehalt. Der Herzog starb bald hierauf, und Chaucer begab sich nun nach Dunnington - Castle, lehte hier in philosophischer Zurückgezogenheit noch zwei Jahre, und starb 1400. Er wurde in der Westminsterabtei *) beigesetzt, wo ihm auch im ihten Jahrhundert ein Denkmal errichtet worden ist. Mit G. Chaucer geht, selbst nach dem Urtheil des strengen Johnson, die Morgenröthe der Englischen Poesie auf, oder es beginnt vielmehr mit' ihm die Nationalliteratur in England; hur erschien dieser Mann gleichsam noch ein Jahrhundert zu früh; denn er blieb ohne bedeutende Nachfolger **), weil seine Nation noch nicht den rechten Weg zur Bildung betreten hatte. Chaucer erwarb sich zuförderst um die Sprache seines Volks ein grosses Verdienst. Diese war bis auf ihn eine unförmliche Mischung aus dem Sächsischen, Norinännischen und Französischen, dabei rauh und überhaupt wenig bearbeitet gewesen. Er, ein durch Reisen gebildeter Mann, der seinen Geschmack durch das Studium der Werke Italiens geläutert, und jenen innern Sinn für Rythmus und Wohllaut bekommen hatte,' der seinen Vorgängern fehlte, gab seiner Muttersprache nicht nur Wohllaut und Gewandtheit, sondern bereicherte dieselbe auch mit vielen neuen Wörtern, da der Vorrath, welchen er vorfand, für den grössern Ideenumfang eines so gebildeten Welimannes zu eng war. Zwar macht man es ihm zum Vorwurf, dass er mit zu vollen Hünden in

*) Sein Denkmal ist das älteste von denen, die im nordöstlichen Winkel der Westminster - Abter stehen, und dieser Theil der elrwürdigen Kathedrale heisst von ihm der Poeten-Winkel. (S. Englische Miscellen Theil 8, St. 5,

**) Dahin gehören unter andern : John Gower alls Sittenham in Yorkshire, geb. um 1923, gest. 1402; John aus Lydgate in Suffolkshire, gest. 1440.

S. 173.)

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den Französischen Sprachschatz gegriffon, und überhaupt durch ausländische Wörter und Redensarten seine Sprache verurstallet habe; allein , nuch zugegeben, dass unter seinen. Landsleuten nicht bereits eine Menge Französischer Wörter im Umlauf gewesen, wäre, wie erwiesen werden kann, so würde man doch nicht mit Recht einem Schriftsteller über solche Eingriffe in frendes Eigenthum Vorwürfe machen kön

Musste nicht Cicero, als er die philosophischen Disziplinen unter seinen Landsleuten zuerst bearbeitete, zu einem ähnlichen Mittel seine Zuflucht nehmen? Nächstdem gebührt unserm Dichter die Ehre den Ideenkreis seiner Landsleute, so wie schon an und für sich durch jene Sprachbereicherung, so auch dadurch erweitert zu haben, dass durch seine bald allgemein gelesenen und bewunderten Werke inanche Wahrheit in Umlauf kam. Chaucer war ein auch in religiösen Sachen aufgeklärter Mann, und bekannte sich zu Wiklef's freiern Religionsmaximen. Dies leuchtet auch aus vielen Stellen seiner Werke hervor, wo er über die Ungeschicklichkeit und Faulheit der Mönche spotiet.

Andere Stellen beweisen, dass er auch mit den Schriften des Alterthums nicht unbekannt war, Man trifft in verschiedenen seiner Werke Nachahmungen derselben, und anderer neuern 1Verke des Auslandes an; allein or war deshalb nichts weni. ger als blosser Nachahmer; denn theils sind unter seinen Werken noch viele, von denon ihm auch der Preis der Er. findung gebührt, theils ist ihm, selbst wenn er nachahmt, noch so viel Originelles eigen, dass man den Mann von Kopf nicht verkennen kann; ja es ist nicht zu leugnen, dass manches nachgebildete Stück unter seinen Händen vielfach gewonnen hat.

Was seine Werke betrifft, so gebührt unter denselben 1) den Canterbury - Tales cin vorzüglicher, wo nicht der erste Rang. Sie bestehen aus einer Reihe Erzäh. lungen, mit welchen sich eine Gesellschaft nach Canterbury pilgernder Personen, die sich in eineni Gasthofe in Southwark kennen gelernt haben, unter Weges unterhält; eine Idee, die unstreitig aus dem Decamerone des Boccaccio entlehnt

Was die Erzählungen selbsi betrifft, so sind sie von sehr verschiedenem Gehalt; den l'orzug verdienen unstreitig The Knight's Tale aus der Tescide' des Boccaccio gezogen, und the Squirr's-Tale. Das hier mitgetheilte Stück The Doctours Tale ist zwar in Ansehung des dichterischen Geó halis eines der unbedeutendsten, allein es ist deshalb hier ge.

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wählt worden, theils weil der Raum die Aufnahme einer längern Erzählung nicht erlaubte, theils auch weil sich bei ei. rtem bekannten Stoffe von Seiten der Sprache weniger Schwierigkeiten darbieten, welchen letztern überdies durch die hinzugefügten Erläuterungen, bis auf einige wenige Ausdrücke, hoffentlich abgeholfen seyn wird. Überdies findet man der Spitze jeder Erzählung einen Prolog, in welchem sich der Dichter meistentheils bald als einen feinen Satyriker, bald als einen treffenden Sittenmaler, überall als einen genonen Kenner des inenschlichen Herzens zeigt. Auch diese Zierde entbehrt das hier aufgenommene Stück. Übrigens verdient noch beinerkt zu werden, dass die Canterbury Tales ein gewissermassen unvollendetes Werk sind, da der Dichter anfänglich den Plan hatte, jeden Pilger, bei der Rückkehr von Canterbury, gleichfalls ein Mährchen erzählen zu lassen. Zu den übrigen bedeutenden Werken Chaucer's gehören 2) the Romaunt of the Rose, eine Nachbildung des von IV ilhelm von Lorris am Ende des 13ten Jahrhunderts ange: fangenen, und von Jean de Meun im Anfang des Isten beendigten Román de la Rose. 3) Troilus and Creseide, ein erzählendes Gedicht in 5 Gesängen. 4) The House of Paine, ein Gedicht, welches nachnals von Pope in dem Temple of Fame nachgeahmt worden ist. Sonst enthalten seine Werke noch verschiedene andere grössere und kleinere Gedichte. Anch von seinen prosaischen Werken haben sich einige erhalten, als : a Translation of Boethius (de Consolatione); a Treatise on the Astrolabe; the Testament of Love. "Eine vor. zügliche Ausgabe seiner poetischen Werke ist diejenige, wel. che einen Theil der von Bèll (unter dem Titel: the Poets of Great - Briiain complete from Chaucer to Churchill) veranstalteten Dichtersammlung macht, und folgenden Titel führt: the poetical Works of Geoff. Chaucer in fourteen Volumes ; the miscellaneous Pieces from Urry's edition 1721, the Canterbury - Tales from Tyrwhitt's edition 1775, Edinburgh 1782. Der '14te Theil enthält ein Glossarium, und dieses ist es, aus welchem wir die hier mitgetheilten Erläuterungen geschöpfe haben. Ausserdem findet man sümmiliche Werke unsers Dichters im ersten Theile von Anderson's Ausgabe der Englischen Dichter, nebst einem Glossario *). Von den

*) Der Titel dieser Sammlung ist: The Works of the British poets with prefaces biographical and critical by Robert An

Camerbury - Tales hat der berühmte Englische Kritiker Tyr. whitt eine vortreffliche Ausgabe, mit einem Versuch über Chaucer's Sprache und Versifikation und einer besondern Einleitung zu diesen Erzählungen,' besorgt, London 1775 19 5 Vol. 8., so wie man von dem vorhin angeführten John Urry eine 1721 zn London in Fol, erschienene Ausgabe der sämmtlichen Werke unter dem Titel: the Works of Jeffrey Chaucer besitzt. Diejenigen, welche sich näher mit diesem Vater der Englischen Dichtkunst bekannt machen wollen, werden in dem ersten Stücke des zweiten Ban. des der Nachträge zu Sulzer's allgemeiner Theorie der schönen Künste (auch unter dem Titel: Cha. raktore der vornehmsten Dichier aller Nationen etc.) einen schützbaren Aufsatz über Chaucer finden. Vor allen aber verdient folgendes Werk Aufmerksamkeit : Life of Geoffrey Chaucer, the early English Poet: including Memoirs of his near friend and kinsman, John of Gaunt, Duke of Lancaster: with sketches of the manners, opinions, arts and literature of England in the fourteenth century, by William Godwin, in two Volumes, 4. London, Phillips 1803. Man findet eine Anzeige und Würdigung dieser vortreffiichen Schrift in den Englischen Miszellen, 1Zter Band, Zles Stück, S. 152. Eine ausführliche Biographie unsers Dichters befindet sich auch bei den vorhin angeführten Beilschen und Anderson, schen Ausgaben, und in Cibber's Lives of the English Poets, Vol. I. S. 1.

THE DOCTOUAES PROLOGUE.
Ye, let tbat påssen, quod ?) our Hoste, as now.
Sire Doctour of Physike 2), I prey you,
Tell us a Tale of.som honest matere ').

derson, M. D. London' 1795, in 15, im grössten Oktav und gespaltenen Columnen gedruckten Bänden,

Sie kostet 8 Pfund, übertrifft an Vollständigkeit alle vorhergehenden Sammlungen und umfasst in allei 114 Dichter, wovon 49 in der Johnsonschen Sammlung noch nicht befindlich sind. Dazu kommen im 13ten Bande die vorzüglichsten Übersetzer der alten Klassiker , deren Übersetzungen man allgemein Originalität zugesteht. Die den einzelnen Dichtern vorangeschickten Biographien sind vom Anderson selbst bearbeitet.

") quod said. ?) physike medicine. 5) matere matter.

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