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Vorgang bei disciplinärer und moralischer Erziehung der Compagnie, von

k. k. Hauptmann Wenzel Porth .

Zur französischen Geschichtsschreibung über die Jahre 1870–71.
Friedrich II. als Publicist, von Wilhelm Edler v. Janko..
Besichtigung neuer in Kronstadt aufgestellter Geschütze

Miscellen.

Apparat zum gleichzeitigen Messen von Distanzen und Schichten-
höhen-Puncten . .

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A. Kritischer Theil.

B. Bibliographischer Theil.

Werke...

Verzeichniss der im kritischen Theile des Bücher-Anzeigers besprochenen

Vereins-Correspondenz Nr. 3 (mit eigener Paginirung)

Repertorium der Militär-Journalistik (mit eigener Paginirung).

I

LXXXI

CXVI

31-34

I-LIII

Tafeln.

Tafel I zum Aufsatze: „Das Schiessen mit dem k. k. Infanterie- und Jäger-Gewehre

mit Werndl-Verschluss auf grossen Distanzen".

Tafel II und III zum Aufsatze: „Die Schlacht von Lobositz und die Gründung von Theresienstadt".

Tafel IV und V zum Aufsatze: „Die Jantra-Brücke bei Bjela".

Tafel VI zum Aufsatze: „Der menschliche Fuss und dessen Bekleidung."

Tafel VII und VIII zum Aufsatze: „Die Kriegsbrücken der vereinigten Staaten Nord-Amerika's".

Berichtigung:

Seite 251, Anmerkung, 2. Zeile von unten lies: „Kausler" statt „Kamsler“.

Ueber Durchführung von Fluss-Uebergängen1),

Vortrag, gehalten im militär-wissenschaftlichen Vereine zu Prag am 11. März 1876, von Hauptmann Kerchnawe des k. k. Pionnier-Regimentes.

In der Praxis hat sich über das Schlagen von Kriegsbrücken ein Grundsatz geltend gemacht, der in seiner Allgemeinheit unrichtig ist und bei seiner Annahme leicht zu verderblichen Folgen führen kann.

In unserem Felddienst, II. Theil, Seite 158, Punct 392, lesen wir: „dass nur dort, wo die Technik unüberwindliche Schwierigkeiten findet, sich die tactischen Forderungen den technischen unterordnen“.

Im Allgemeinen kann man nun sagen, dass unüberwindliche Schwierigkeiten eigentlich fast nie vorkommen, weil man in der grossen Kriegführung Gegenden, wo derlei Schwierigkeiten zu finden sind, stets ausweicht und es muss.

Es heisst auch Seite 159, Punct 396: „Stellen, wo für eine tüchtige Pionnier-Abtheilung der Brückenschlag unmöglich wäre, finden sich selten, allein da es nicht gleichgiltig ist, ob derselbe in kürzerer oder längerer Zeit beendet wird, folgen jene Bedingungen, welche den Bau der Brücke begünstigen."

Während wir im ersten Citate sehen, dass der Tactiker vom Techniker die fast unbedingte Unterordnung fordert, finden wir im letzten Citate schon ein Zugeständniss an die Zeit; es ist dies auch folgerichtig, weil die tactischen Maassnahmen erst dann in ihrem vollen Umfange wirksam werden können, wenn die technischen vollendet sind.

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Sobald man über das Erforderniss an Zeit für die Ausführung eines Ueberganges im Klaren ist, wird auch die unbedingte Beachtung des Grundsatzes der steten Unterordnung der technischen unter die tactischen Anforderungen" keinen Schaden bringen; aber gerade über dieses Erforderniss haben sich höchst unrichtige Anschauungen eingeschlichen. Ich führe zum Beweise eine in einer Beispielsammlung eines

1) Benützte Quellen: Hauptmann Senfelder, Ueber gewaltsame FlussUebergänge", Aufsatz in den „Mittheilungen des Genie-Comités" 1867.

Goetze, „Technische Truppen im Feldzuge 1870-71. Corps-Geschichte." Organ der milit.-wissenschaftl. Vereine. XV. Bd. 1877.

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sehr geehrten österreichischen Autors enthaltene Aufgabe an, nach welcher in Einer Nacht beim Tuttendörfl nächst Enzersdorf bei Wien ein Uebergang über die dort in einen Hauptarm und drei Nebenarme gespaltene Donau hergestellt werden soll. Zu dieser Stelle besteht am rechten Ufer in Klosterneuburg nur Eine, und zwar sehr schlechte und beschränkte Zufahrt.

Es wären daher vier Kriegsbrücken in der Gesammtlänge von beiläufig 300° und ungefähr 1200° Colonnen-Wege mit bedeutenden Ausholzungen herzustellen.

Die Kriegsbrücke im Hauptstrome begegnet überdies an dieser Stelle bedeutenden Schwierigkeiten durch die grosse Wassergeschwindigkeit bei sehr schlechtem Ankergrunde. Die Durchführung dieser Aufgabe in Einer Nacht ist daher selbst bei genügender Arbeitskraft und ausreichendem Material welch beide Factoren im Beispiele ebenfalls zu gering angenommen erscheinen nicht thunlich.

Das Reglement für die technischen Verrichtungen des PionnierRegimentes enthält allerdings die Bestimmung, dass zur unmittelbaren Brückenherstellung für eine Bockbrücke 3, bis 52, für eine Pontons-Brücke 2, bis 3, Minuten per Brückenfeld erforderlich seien.

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In dieser Zeit sind aber die Vorbereitungen zum Brückenschlage nicht inbegriffen. Diese sind es, welche am meisten Zeit für sich in Anspruch nehmen, und zwar gleichviel, ob für kurze oder lange Brücken. Dazu gehören: Bestimmung der Brückenlinie, wo möglich flüchtige Sondirung wegen Bestimmung der Brückenform, Auffahren und Abladen der Wagen, Zurichten des Brücken-Ein- und Ausganges, also UferCorrectur, Legen der Landschwelle, Ausrüsten der schwimmenden Unterlagen oder Zusammensetzen des Einbau-Gliedes für stehende Unterlagen; erst wenn Alles dies beendet, beginnt die Zeitbestimmung für den eigentlichen Brückenbau.

Diese Zeitbestimmung des Reglements gilt selbstverständlich auch nur für im Allgemeinen normale Verhältnisse, und namentlich nur für die normalen Brückenformen, das ist die leichte oder schwere Bock- oder Pontons-Brücke.

Die im Reglement angegebene Zeiterforderniss ist für normale. Verhältnisse nicht zu gering bemessen, weil Productions-Brückenschläge wiederholt erwiesen haben, dass die unmittelbare Brückenherstellung auch noch in kürzerer Zeit bewirkt werden könne.

Derlei Manöver aber haben nur den Zweck, den Grad der Disciplin und Schulung der Mannschaft anschaulich zu machen; für die Nutzanwendung im Felde liefern sie jedoch nicht den geringsten Maassstab.

Der Mann im Frieden, ausgeruht, durch systematische Arbeitsleistung gewissermassen trainirt, auf einer meist wohlbekannten Flussstrecke, unter bekannten Partieführern arbeitend, kann leicht zu einer aussergewöhnlichen Leistung gebracht werden.

Dabei muss berücksichtigt werden, dass zu solchen Brückenschlägen stets die vollständigen reglementsmässigen Partien in Verwendung gelangen. Anders aber gestalten sich die Verhältnisse im Kriege. Soll hier die Truppe den Anforderungen nach jeder Richtung gerecht werden, so müssen auch die Verhältnisse ernst erwogen werden.

Die Erwägung für die Durchführung eines Ueberganges zerlegt sich naturgemäss in die drei Fragen: wo, wie und wann der Uebergang hergestellt werden soll.

Das Wo? umfasst die strategischen, die tactischen und die technischen Bedingungen für die Uebergangsstelle; das Wie? begreift in sich die ganze Durchführung des Ueberganges; das Wann? bezieht sich auf die Zeit der Durchführung..

Ich will nun die einzelnen Fragepuncte erörtern und bemerken, dass ich hier nur Uebergänge bespreche, welche entweder im Contacte mit dem Feinde, oder unter der Voraussetzung, dass dieser möglich sei, durchgeführt werden sollen.

Da man unter dieser Annahme auf ein Gefecht gefasst sein muss, so wird man zu Uebergängen stets solche Fluss- und Terrain-Verhältnisse auf beiden Ufern wählen, welche uns die günstigeren Gefechts-Bedingungen liefern, dem Vertheidiger hingegen die ungünstigsten aufdrängen.

Alle tactischen Lehrbücher behandeln diesen Gegenstand nach einer Schablone.

Nebst guten, bereits vorhandenen Communicationen zur Uebergangsstelle wird ober- und unterhalb der Brückenschlagstelle dominirendes Ufer zur Erzielung einer möglichst kräftigen Bestreichung des jenseitigen Ufers, eine Einbiegung des Flusses gegen die Uebergangsstelle, weiters bedecktes jenseitiges Ufer oder deckende, für die Vertheidigung günstige Terrain-Gegenstände, endlich werden solche Flussverhältnisse gesucht, wo alle Vorbereitungen zum eigentlichen Uebergang unbemerkt getroffen werden können.

Untersucht man diese Forderungen theoretisch, so leuchtet das Widersprechende derselben schon aus dem Umstande hervor, dass, wenn das jenseitige Ufer wirklich so beschaffen ist, dass es dem Angreifer alle möglichen Deckungen bietet, der Vortheil der dominirenden Höhe und die dadurch ermöglichte Bestreichung des jenseitigen Ufers sehr problematisch wird.

Sieht man sich aber die Sache in der Natur an, so kommen solche Erhöhungen, welche als dominirend bezeichnet werden können, mehr im oberen, weniger im mittleren, noch seltener aber im unteren Flusslaufe vor.

Im oberen Flusslaufe sind die Thäler meist enge und tief eingeschnitten; tiefe Flussthäler aber verursachen grosse Schwierigkeiten.

Sie hemmen nicht nur die Arbeit für die Herstellung der Brücke durch die erschwerte Materials-Zufuhr, durch zeitraubende Ufer-Correcturen etc., sondern sie bergen in sich auch noch die Gefahr, dass, wenn die zuerst übergegangenen Truppen etwas weiter vorrücken, sie leicht von einem überlegenen Gegner vernichtet werden können, bleiben die Angreifer dagegen am Höhenrande, so können sie leicht gezwungen werden, sich in der allerschlimmsten Lage zu schlagen.

Derartige enge und tiefe Flussthäler können daher für grössere Massen-Uebergänge nicht in Betracht gezogen werden.

Ueberhöhungen kommen überhaupt meist im gekrümmten, höchst selten im geraden Flusslaufe vor.

Die meisten tactischen Lehrbücher besprechen daher mit einer gewissen Vorliebe die tactischen Vortheile der Flusskrümmungen, doch finden sich Stellen, welche alle versprochenen Vortheile gewähren, höchst selten vor, ich kenne aus meiner Erfahrung nur Eine solche günstige Stelle, jene bei Zalesczyki am Dniester, und zwar für den Uebergang vom rechten auf das linke Ufer.

Eine eingehende Krümmung gestattet allerdings die Bestreichung des von derselben eingeschlossenen Terrains, wenn die Batterien in den Aesten der Curve aufgestellt werden.

Wenn man aber die Schlangenlinien, welche ein Fluss auf seinem oberen und mittleren Laufe bildet, aufmerksam betrachtet, so wird man nur selten Geschütz-Aufstellungen finden, wo man nicht mit den dermaligen weittragenden Geschützen in der Flanke, vielleicht auch im Rücken von Gegen-Batterien beschossen werden könnte.

Entscheidend würde also doch nur wieder eine bedeutende Erhöhung des diesseitigen Ufers wirken.

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Anderseits sind in den oberen Theilen des Flusslaufes die concaven Uferränder grösstentheils so hoch und fallen derartig steil an das Wasser ab, dass der Zugang zum Flusse nur durch mühevolle, unverhältnissmässig viel Zeit in Anspruch nehmende Arbeiten ermöglicht werden kann.

Schliesst die Curve eine schmale lange Erdzunge am jenseitigen Ufer ein, so können sich die übergegangenen Truppen nur in einer sehr kurzen Linie entwickeln, je grösser die Truppenmassen, desto sanfter

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