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das linke Ufer um circa 100m. Weiters wird die Vertheidigungs-Fähigkeit dieses Punctes noch durch einen, dem westlichen Ausgange des Brücken - Defilés vorliegenden Han (Wirthshaus) erhöht. Dieser Han besteht nämlich aus einem solid gemauerten einstöckigen Wohngebäude, und dem etwa 50 Schritte im Gevierte fassenden Hofraum, welcher von einer 2.5 hohen krenelirten Bruchsteinmauer umschlossen ist.

Mit unbedeutenden technischen Vorkehrungen, wie z. B. Aufwerfen einer Geschützdeckung für eine Feld-Batterie und Herstellung einiger Jägergräben auf den rechtsseitigen Uferhöhen, konnte dieser wichtige Uebergangspunct von den Türken mit wenigen Bataillonen und etlichen Geschützen sehr leicht gegen eine grosse Uebermacht wenigstens so lange behauptet werden, als nicht weit ausholende Umgehungen wirksam geworden wären.

Jedenfalls war es aber für den Vertheidiger vor Antritt des Rückzuges ein Leichtes falls nur genügend viel Spreng-Material zur Hand begünstigt durch die Einrichtung der hohlen Brückenpfeiler, rasch einen grossen Theil der Brücke zu zerstören.

war

Der Angreifer findet erst eine halbwegs gedeckte Geschützstellung bei den zwei Tumuli's (Mogilen, d. i. alte Grabhügel von 6-8m Höhe), circa 2km westlich der Brücke.

Trotz dieser äusserst günstigen tactischen Verhältnisse wurde die Brücke dennoch schon am 15. Juli von russischen Dragonern genommen und das Städtchen Bjela besetzt. Vertheidigt war diese Position, allen Vermuthungen nach, blos von Tscherkessen, welche keinen besonders hartnäckigen Widerstand geleistet zu haben scheinen; da die beiderseitigen Verluste in dieser Affaire nur je 5-10 Mann betragen haben.

Warum die Türken diese Brücke so schnell im Stiche liessen, wäre einer Aufklärung werth!

Wien, im Juli 1877.

Notizen aus den reglementarischen Bestimmungen für die russische Reiterei zur Durchführung von Gefechten zu Fuss.

Vorausgeschickt muss werden, dass die russische Reiterei in zwei Gliedern aufgestellt ist, die Escadronen aus vier Zügen bestehen, die Zugs-Commandanten und sonstigen Officiere auf Einen Schritt vor dem ersten Gliede ihre Aufstellung haben, die Unterofficiere aber theils auf den Flügeln der Züge, theils hinter der Front stehen.

Der Zug hat 8-20 Rotten und wird vom rechten Flügel gegen den linken in gerade und ungerade Nummern (1 und 2) zum Zwecke des Absitzens, dann zu drei Mann (mit den Nummern 1, 2 und 3) zur Formirung der Colonne zu Drei und Sechs und bei den Dragonern auch zum Absitzen für das Gefecht zu Fuss abgetheilt.

Bewaffnet sind die Unterofficiere und Trompeter mit Revolvern und die gesammte Mannschaft mit Säbeln. Bei den Cürassieren, Huszaren und Uhlanen hat das erste Glied Piken und Revolver, das zweite Carabiner; bei den Dragonern dagegen ist das erste und zweite Glied mit gezogenen Hinterlad-Gewehren mit Bajonnet bewaffnet.

Die Reiter haben für den Revolver 18, für den Carabiner 20 und die Dragoner für das Hinterlad-Gewehr 40 Stück Patronen unmittelbar bei sich und 12 Patronen per Mann für die Revolver, sowie 30 Patronen für jede andere Feuerwaffe beim Regiments-Train.

Für das Feuergefecht zu Fuss sind in Russland von der Reiterei vornehmlich Dragoner bestimmt, allein in erster Linie sollen auch die Dragoner Cavaleristen sein, und als solche Verwendung finden. Zum Gefecht zu Fuss haben die Dragoner abzusitzen, wenn die Nothwendigkeit eintritt, temporär den Dienst der eben mangelnden Infanterie bei Passirung von Defiléen und Wäldern, bei Flussübergängen, bei Vertheidigung von Oertlichkeiten u. dgl. zu versehen. Wo hingegen die Dragoner als Cavaleristen wirken können, sind sie nur als solche zu verwenden. Für das Gefecht zu Fuss darf immer nur die unbedingt nothwendige Anzahl Leute absitzen und es ist zu vermeiden, dass alle Escadronen eines Regimentes gleichzeitig in dieser Weise in Verwendung kommen. Die abgesessenen Dragoner werden durch die Stimme und durch Signale mittelst Pfeifchen geleitet.

Von je drei Rotten (Nr. 1, 2, 3) haben auf das Commando zum Absitzen die Nummern 1 und 3 des ersten Gliedes auf eine halbe Pferdelänge vor, die gleichen Nummern des zweiten Gliedes auf eine halbe Pferdelänge zurückzutreten und sofort nach rechts und links abzusitzen. Die Nummern 2 übernehmen die zwei Pferde der abgesessenen Nebenmänner. Mehr als zwei Pferde sol kein Mann zum Halten erhalten.

Von jeder Halb-Escadron sitzt nach Verfügung des Escadrons-Commandanten ein Officier und von jedem Zuge der Unterofficier auf dem linken Flügel ab. Die Pferde der abgesessenen Chargen übernehmen die zu Pferde bleibenden Unterofficiere.

Die abgesessenen Dragoner rangiren sich zugsweise in derselben Ordnung, wie sie zu Pferde neben- und hintereinander standen. Die Unterofficiere postiren sich auf den rechten Flügeln der Züge, die Officiere auf den rechten Flügeln der Halb-Escadronen. Die Züge werden zu zwei Rotten in Kettenglieder abgetheilt. Das Commando über die abgesessene Escadron führt der EscadronsCommandant, auch wenn er Stabs- Officier ist, persönlich, bleibt aber zu Pferde; über zwei bis vier abgesessene Escadronen hat stets ein Stabs-Officier das Commando zu führen und ist ihm ein Officier als Adjutant beizugeben. Ueber die Pferde-Abtheilung eines ganzen Regimentes führt ebenfalls ein Stabs-Officier den Befehl, während der Regiments-Commandant diese und die abgesessenen Abtheilungen zu leiten hat.

Geschieht das Absitzen bei entwickelter Front, so formiren sich die abgesessenen Leute vor der Mitte ihrer Escadron auf doppelte Zugsbreite vor der Front-Linie; wird dagegen in der Colonnen-Formation das Absitzen angeordnet, so muss zugleich avisirt werden, in welcher Flanke die abgesessenen Leute sich zu formiren haben.

Die normale Formation der Abgesessenen ist die rechtsformirte AbtheilungsColonne, wobei die Halb-Escadronen auf 5 Schritt Distanz hintereinander stehen.

Die Leute nehmen die Gewehre „Beim Fuss", so oft stehen geblieben wird, und bei Bewegungen, die nach den für die Infanterie vorgeschriebenen reglementarischen Bestimmungen ausgeführt werden, tragen sie die Gewehre auf der rechten Schulter, als Plänkler hingegen in der Balance.

Beim Uebergang in die zerstreute Fechtart bilden die vier Leute von je zwei Rotten (Nr. 1 und 2) ein Kettenglied. Der Commandant hält sich auf, wo er es für nöthig erachtet, die Officiere sind hinter der Kette und erhalten zu ihrem persönlichen Schutze und zu Ordonnanz-Diensten je zwei Dragoner.

Die Escadron kann ganz oder auch nur theilweise zur Durchführung eines Gefechtes in eine Kette aufgelöst werden.

Wurden mehrere Escadronen zum Absitzen befehligt, so formiren sich die abgesessenen Escadronen entweder alle in einer Linie mit Intervallen von circa 80 Schritt (Colonnen-Linie) oder in zwei Treffen mit etwa 150 Schritt Treffen-Distanz. Beim Uebergang in das Gefecht werden in der Regel die Tête-Abtheilungen der Escadronen des vorderen Treffens aufgelöst und die leitenden berittenen Officiere können absitzen. Es kann übrigens auch die eine oder die andere Escadron ganz in die zerstreute Fechtart übergehen, was Sache der Disposition ist.

Der nach dem Escadrons-Commandanten rangsälteste Officier der Escadron übernimmt nach Formirung der Abgesessenen das Commando über die PferdeAbtheilung der Escadron und führt diese, ohne erst .einen Befehl hiezu abzuwarten, zurück aus dem Schussbereich, wobei - wenn es nicht schon der Fall wäre die Pferde-Abtheilung in Zugs-Colonne übergeht.

Die Pferde-Abtheilung der Escadron muss ihre Aufstellung und ihre Bewegungen mit Rücksicht auf die Abgesessenen regeln, diesen möglichst nahe

bleiben und doch dabei auf Deckung und Schutz der Pferde gegen feindliche Projectile bedacht sein.

Sollen die abgesessenen Leute nach Durchführung oder nach dem Abbrechen des Gefechtes wieder aufsitzen, so wird die Pferde-Abtheilung durch ein Signal hievon avisirt. Diese hat dann sofort zu den Abgesessenen vorzurücken, welche ihrerseits die Bajonnete versorgen, die Gewehre über die Schulter hängen und sich beeilen, ihre Pferde zu besteigen.

Von den Uhlanen und Huszaren sollen Leute als Schützen zu Fuss nur in Fällen äusserster Nothwendigkeit, z. B. zur Vertreibung einzelner feindlicher Plänkler, wenn es sich um das Passiren eines Waldes, Dorfes oder Defilés handelt, in Verwendung gebracht werden. Wären bei solchen Anlässen Dragoner oder Infanterie zur Hand, so sind diese und niemals Uhlanen oder Huszaren zur Durchführung des Feuergefechtes zu bestimmen.

Die abgesessenen Uhlanen und Huszaren kämpfen zu Fuss nur als Plänkler, daher immer in zerstreuter Fechtart. Dabei ist zu beobachten, dass . immer ein berittener Theil der Abtheilung in voller Bereitschaft gehalten werden muss, um die von den Plänklern erkämpften Vortheile sofort auszunützen oder um die Schützen zu unterstützen, eventuell auch um sie beim Aufsitzen zu schützen. Es dürfen daher von einer Escadron nur die Schützen von drei Zügen, von einer Division nur die Schützen von sechs Zügen und von jedem Regimente höchstens die Schützen von drei Escadronen zum Feuergefecht zu Fuss absitzen.

Sobald die abgesessenen Schützen in die Kette abrücken, übernehmen jene Abtheilungen, von denen keine Leute abgesessen sind, die Deckung der mit ledigen Pferden belasteten Abtheilungen und rücken demnach sofort vor dieselben, wenn das Absitzen aus entwickelter Front stattfand. Ist die Escadron in Zugs-Colonne formirt, so werden nur die Schützen der rückwärtigen Züge zum Absitzen bestimmt, was auch bei einem Regimente geschieht, dessen Escadronen in Colonnen-Linie stehen. Die Tête-Abtheilungen bleiben also zur cavaleristischen Ausnützung der durch die Plänkler etwa errungenen Vortheile

bereit.

Von jedem zum Absitzen bestimmten Zuge sitzt die gesammte Mannschaft des zweiten Gliedes und der Unterofficier auf dem linken Flügel ab. Für einen bis zwei absitzende Züge wird ein Officier, für die Schützen von drei Zügen werden aber zwei Officiere und ein Trompeter zum Absitzen bestimmt. Die Abgesessenen von drei Zügen formiren einen Zug zu Fuss, jene von zwei Zügen einen halben Zug und von einem Zug blos einen Schwarm, wobei immer die Leute mit Nr. 1 in das erste Glied und jene mit Nr. 2 in das zweite Glied, die Unterofficiere 1 Schritt vor den rechten Flügeln ihrer Schwärme, die Officiere aber 4 Schritt vor die Mitte der Fuss-Abtheilung zu stehen kommen.

Die einzelnen Schwärme werden in Kettenglieder zu zwei Rotten abgetheilt und in jedem Kettenglied ein Mann als Führer bestimmt.

Das Absitzen kann sowohl auf der Stelle, als während der Bewegung, in der entwickelten Linie, wie in der Abtheilungs-Colonne avisirt werden. Ist die Abtheilung im Marsche, so bleibt sie auf das Aviso zum Absitzen stehen, und auf das folgende Commando reiten die Leute beider Glieder mit Nr. 1 auf 6 Schritt nach vorwärts, die Leute des zweiten Gliedes steigen alle ab

und übergeben ihre Pferde an ihre Vorderleute. Die absitzenden Officiere und Unterofficiere geben ihre Pferde an die beritten bleibenden nächsten Unterofficiere zum Halten.

Während sich die Abgesessenen vor der Mitte der Escadron (vordersten Abtheilung) in den Zug, Halbzug oder Schwarm formiren, schliessen auf ein eigenes Commando die Berittenen mit Nr. 2 an die Berittenen mit Nr. 1 auf Glieder-Distanz an. Bei den Zügen, von welchen die Schützen abgesessen sind, stehen also im ersten Gliede durchaus Leute, die beim Abtheilen Nr. 1 erhielten und im zweiten Gliede nur Leute mit Nr. 2. Jeder Reiter führt ein lediges Pferd.

Sollen sich die Abgesessenen in der Flanke formiren, so wird dies im Aviso zum Absitzen eigens zum Ausdrucke gebracht.

Aus dem Vortehenden ist zu entnehmen, dass bei den Huszaren und Uhlanen nur die Hälfte der Mannschaft, nämlich das mit dem Carabiner bewaffnete zweite Glied absitzt, während bei den Dragonern zwei Drittel der Mannschaft für das Feuergefecht zu Fuss ihre Pferde verlassen.

Die Durchführung des Feuergefechtes bietet nichs Bemerkenswerthes. Zum Aufsitzen sammeln sich die abgesessenen Uhlanen oder Huszaren auf das betreffende Signal bei ihrem Commandanten und dieser führt sie zu den Pferden, welche übrigens auch über Anordnung des Escadrons-Commandanten den Abgesessenen entgegengeführt werden.

Das erste Glied rückt mit den ledigen Pferden um 3 Schritt zum Aufsitzen vor; die Plänkler nähern sich von Vorn ihren Pferden, lassen sie 3 Schritt zurücktreten und sitzen auf. Hiernach wird die Abtheilung eingerichtet.

Miscellen.

Apparat zum gleichzeitigen Messen von Distanzen und

Schichtenhöhen-Puncten.

Der Privat-Geometer J. Pfister in Chotieschau in Böhmen (mit 1. Juni d. J. nach Lokwy in Croatien übersetzt) hat einen Apparat - den er TerrainAufnahms-Apparat nennt construirt, welcher mit Recht der Aufmerksamkeit der maassgebenden Kreise zu empfehlen ist.

Der Apparat vermag gleichzeitig Distanzen zu messen und Höhenunterschiede in beliebiger Grösse z. B. von Meter zu Meter, von 2m zu 2, von 100m zu 100m u. s. f. zu bestimmen. Das Messen von Distanzen, basirt auf die Umdrehungen eines Rades von bestimmtem Umfange, ist wohl keine neue Erfindung. Darin liegt auch nicht der besondere Werth des Apparates, sondern in der geschickten Verbindung des Distanz-Mess-Apparates mit dem Höhen-Summirungs-Apparate.

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