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Ingenieur-Oberst Carl Nicolaus von Steinmetz erhielt die Oberleitung des Baues, Ingenieur-Oberstlieutenant Carl de Troux - als Oberst am 7. Mai 1782 gestorben die Local-Direction.

Bald nach Beginn des Festungsbaues am 6. October 1780 nahm Kaiser Josef II. an der Stelle, wo heute das Genie-Gebäude steht, in einem eigens vorbereiteten Grundstein in eigener Person, in Anwesenheit des FM. Grafen Lacy und FZM. Grafen Pellegrini und sämmtlicher Genie-Officiere, die gebräuchliche Versenkung der Gründungs-Documente und Münzen und die Schliessung dieses Grundsteines vor, wobei, wahrscheinlich um das Zuströmen von Fremden zu vermeiden, keine besondere, weder kirchliche noch militärische Feier stattfand.

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Dieser Grundstein wurde bei der im Jahre 1784 erfolgten Vollendung des Cavaliers Nr. IV Josefs-Cavalier genannt - in das Fundament der linken Flanke desselben und bei dieser Gelegenheit in die Profil-Mauer der mit einer lateinischen Inschrift diesen wichtigen Moment verewigende Denkstein eingesetzt.

Nachdem der Festungsbau, von dessen Fortschritten sich Kaiser Josef wiederholt persönlich überzeugte, durch vier Jahre mit grösster Thätigkeit fortgesetzt worden war, wurde der Platz am 22. September 1784 als geschlossen erklärt, die Communication auf die Thore und wichtigeren Poternen beschränkt und zugleich die Handhabung des Garnisons-Dienstes angeordnet.

Der nunmehr zum Feldmarschall-Lieutenant vorgerückte Freiherr von Steinmetz wurde zum ersten Festungs-Commandanten ernannt.

Der damalige Fortifications-, Local- und Festungsbau - Director Emanuel Edler von Lagler hat nicht nur die Vollendung sämmtlicher Festungswerke, sondern auch den Ausbau der Militär-Gebäude, mit Ausnahme der Garnisons-Kirche, welche erst 1810 vollendet wurde, zu Stande gebracht, und auch die Festung im Jahre 1790 das erste Mal in vollkommenen Vertheidigungsstand gesetzt.

Von diesem Zeitpuncte an ist die Festung in den Bestand der übrigen Plätze der Monarchie eingereiht und die Handhabung des fortificatorischen Dienstes auf die gewöhnliche Weise eingeleitet worden.

Emanuel Edler von Lagler ist am 8. März 1801 als Generalmajor, Vice-Commandant und Fortifications-Local-Director der Festung Theresienstadt gestorben.

Nach dem Ableben der Kaiserin Maria Theresia wurde der neuen Festung der Name Theresienstadt ertheilt, diese mittelst Hof-Decret vom 9. December 1792 zur königlichen Freistadt erhoben und durch die öffentlich kundgemachten Hof-Decrete vom 9. December 1782 und 14. October 1784

die durch bedeutende Begünstigungen erleichterte Ansiedlung, vorzüglich von Gewerbsleuten aller Art aus dem Civilstande, bekannt gegeben. Die politische Verwaltung und Rechtspflege der nach und nach angesiedelten Civil-Einwohner wurde anfänglich dem Leitmeritzer Magistrate übertragen, und nach dem Anwachsen der Bevölkerung im Jahre 1830 ein eigener Magistrat 4. Classe eingesetzt.

Zum Behufe der Ansiedlung wurde der für militärische Zwecke entbehrliche innere Raum der Festung in 20 Carrés und diese in 288 Bauplätze eingetheilt, auf welchen nebst dem ersten auf Kosten des Aerars hergestellten, später der Gemeinde gegen Rückersatz der Baukosten überlassenen Communal - Gebäude, nämlich dem bombenfesten Brauhaus, am Schlusse des Jahres 1840 zusammen bereits 93 CivilGebäude wirklich aufgeführt waren, zu welchen bis heute noch Gebäude zugewachsen sind, auf Grund der mit Allerhöchster Entschliessung Tom 24. Mai 1841 noch mehr begünstigten Ansiedlung.

So entstand der Gedanke zur Erbauung von Theresienstadt und so wurde der Gedanke zur That.

Hervorgegangen aus den Bedürfnissen der Zeit, begründet durch die in den letzten Decennien gemachten Kriegserfahrungen, erbaute man mit einem gewiss enormen Aufwande von Kraft und Geld die Festung Idie dem Vaterlande eine feste Stütze bilden sollte.

Die Jantra-Brücke bei Bjela.

Von Hauptmann Anton Tuma des k. k. Generalstabs-Corps.

(Hiezu Tafel IV und V.)

Nach Forcirung des Donau-Ueberganges bei Sistov-Zimnitza konnte das Gros der russischen Süd-Armee entweder gegen die innerhalb des Festungsviereckes stehende türkische Operations-Armee vorrücken und erst nach deren Besiegung zur Bezwingung der Balkan-Pässe schreiten, oder gleich nach den Gebirgs-Defiléen aufbrechen, wobei zum Schutze gegen das Festungsviereck und gegen die türkischen Streitkräfte WestBulgariens eine entsprechende Truppenmacht zurückgelassen werden musste.

Ob sich nun die russische Heeresleitung für die eine oder die andere Maassregel entschied, so blieb für die weiteren Operationen die Jantra-Linie stets von eminenter Wichtigkeit.

Alle aus dem Gebiete von Sistov gegen das Festungsviereck führenden Communicationen durchschneiden die Jantra und übersetzen dieselbe zumeist entweder mittelst sehr unzuverlässlicher Furten - oder auf höchst primitiven, für militärische Zwecke nur in sehr bescheidenem Maasse zu verwerthenden Fähren.

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Nur bei dem Städtchen „Bjela" übersetzt die Chaussée von Tirnovo nach Rustschuk die Jantra, welche an dieser Stelle eine Breite von circa 150m, eine Normal-Tiefe von beinahe 2m (im Stromstriche) und einen ziemlich raschen Lauf hat, mittelst einer grossartigen Steinbrücke.

Ueber diese

von Tirnovo abwäits einzige Brücke mussten die Russen ihre weiteren Unternehmungen gegen die Objecte des Festungsviereckes führen; in dem Falle jedoch, als sie sich gegen diese Seite nur abwehrend verhalten wollten, konnten sie grössere Angriffe der türkischen Feld-Armee auch nur gegen diesen Uebergangspunct erwarten.

Es war demnach für die beiden Armeen ein Gebot der Nothwendigkeit, diesen wichtigen Punct so rasch als möglich zu besetzen, beziehungsweise sich in dessen Besitz thunlichst lange zu behaupten.

Die Jantra-Brücke bei Bjela wurde von einem einfachen, mit wenig mehr als den dürftigsten Elementar-Kenntnissen ausgestatteten Bulgaren, Namens Nikola Fičoglu erbaut und ist ein beredtes Zeugniss für die günstigen Naturanlagen dieses Volkes.

Im Folgenden wollen wir diese ebenso interessante als wichtige Brücke mit Zuhilfenahme von an Ort und Stelle gemachten Notizensowohl in technischer als in militärischer Hinsicht einer näheren Würdigung unterziehen.

a) Technischer Theil.

Bezüglich der technischen Details verweisen wir auf die beigeschlossene Plan-Skizze (Fig. 1, 2, 3, 4), wo nebst der Seitenansicht der ganzen Brücke auch der Grundriss und Horizontalschnitt je eines. Brückenfeldes, endlich der Längen- und Querschnitt eines Mittelpfeilers dargestellt ist. Die dort angegebenen Dimensionen 1) beruhen zumeist auf selbst vorgenommenen Messungen.

Die Brücke hat eine Breite von 9m und ruht auf zwei mächtigen Land- und auf 13 Mittelpfeilern, welche durch 14 volle Tonnengewölbe mit einander verbunden sind.

Hievon entfallen die sieben östlichen Bögen auf das normale Flussbett, während die westlichen sieben Bögen das UeberschwemmungsTerrain übersetzen.

Nachdem die Dicke der Mittelpfeiler 11 und die lichte Weite der Bogenöffnungen je 9m beträgt, so resultirt hieraus eine Gesammtlänge der Brückenbahn von 269 (circa 360 Schritt).

Sowohl aus der Zeichnung wie aus den vorangeführten Ziffern geht hervor, dass diese Brücke eine ganz enorme Solidität besitzt, und dass mit dem Materiale nicht gespart wurde.

Der zu grossen Material-Verschwendung beugte der einfache Fičoglu durch eine originelle Einrichtung der Brückenpfeiler vor. Er construirte nämlich die Mittelpfeiler in ihrem oberen Theile, und zwar der Länge nach, hohl.

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Diese Pfeilerdurchlässe sind 3m breit, etwa 3, hoch und deren. Sohle liegt mit dem Gewölbsanlaufe der Brückenbögen in gleicher Höhe, und zwar im Niveau des grössten bekannten Hochwassers. Jeder solche

1) Diese Dimensionen weichen von den in Kanitz's „Donau-Bulgarien und der Balkan", II. Band, angegebenen Ausmaassen theilweise ab. So sagt z. B. Kanitz: Die Brücke hätte 12 Oeffnungen, während sie deren 14 hat; weiters nimmt er die lichte Weite der Brückenbögen mit 15m an, während dieselbe thatsächlich nur 9m beträgt.

Pfeilerdurchlass hat im Grundriss die Form eines lateinischen grossen Ipsilon, dessen Gabelöffnung gegen den Stromlauf gewendet ist (1).

Ausser einer namhaften Material-Ersparniss wurde durch diese Anordnung der Mittelpfeiler noch folgender Zweck erreicht, und zwar: Sobald sich beim abnormen Hochwasser der Wasserstand über die Linie der Gewölbsanläufe der Brückenbögen erheben würde, müsste eine Stauung dadurch eintreten, dass das Wasser mit dem Steigen gegen den Schluss dieser Gewölbe stets geringere Abflussöffnungen vorfände. Diese gefährliche Stauung wird jedoch durch die in Rede stehende Pfeiler-Construction zum grössten Theile beseitigt, indem das Wasser, sobald dessen Spiegel über die Höhe der Gewölbsanläufe gestiegen ist, nunmehr auch in die Pfeilerdurchlässe eintreten kann und durch dieselben einen weiteren Abfluss findet.

Weiters ist über diese Brücke zu erwähnen, dass sie kein eigentliches Brückengeländer, sondern nur eine Art von Brustmäuerchen von 0.5m Höhe besitzt.

Die Brückenpfeiler tragen auf der stromaufwärtigen Seite beiderseits der Eiskante einfache Sculpturen, welche Thierköpfe u. dgl. darstellen, und zwar ist jeder Pfeiler mit einer anderen Figur geziert.

Das Bau-Materiale besteht aus grossen Quadern eines sehr festen Kalksteines, welcher in unmittelbarer Nähe der Brücke gewonnen wird. Für die Steinverbindungen allein sollen 10.000 Oka1) Eisen und 3000 Oka Blei verbraucht worden sein.

Nach glaubwürdigen Aussagen hat dieses colossale Werk nicht mehr als 700.000 Piaster) (d. i. kaum 70.000 fl. ö. W.) gekostet.

Dieser monumentale Bau wurde zur Zeit, als Mithad Pascha die Vilayets-Regierung von Donau-Bulgarien leitete, und zwar im Jahre 1867 begonnen und im Jahre 1870 beendet.

b) Militärischer Theil.

Wie aus dem beigeschlossenen Croquis der Umgebung Bjela's zu ersehen ist, bietet das rechte Jantra-Ufer für die Vertheidigung dieses Uebergangs-Punctes grosse Vortheile.

Während das linksseitige Ufer-Terrain aus einem sanft ansteigenden Acker- und Weideboden ohne jede Bedeckung besteht, erhebt sich das rechte Ufer sehr steil und stellenweise felsig direct vom Flussgrunde zu einer absoluten Höhe von über 150m und überhöht demnach

1) 1 Oka ist ungefähr gleich 1.3kg.

2) 1 Piaster Metallwährung kommt ungefähr 9 kr. ö. W. gleich.

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