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Es ist hier deren fördernder, ihr blos ohne Nachtheile umstaltender, ihr hemmender, und ihr selbst zerstörender Einfluss in grossen Zügen gezeichnet worden.

So sehr es einer nach gerechter Beurtheilung strebenden Kritik angelegen sein muss, sowohl nach Beispielen zu suchen, in welchen nur der guten Verpflegung die Unterstützung glücklicher Durchführung der Operationen zugeschrieben werden kann, so werden doch jene Belege schärfer überzeugend, nachhaltiger belehrend sein, welche zeigen, wie Versäumnisse in der Vorsorge für den Unterhalt der Armeen die besten Pläne vereiteln.

Man hat sich bisher weitaus überwiegend nur mit dem eng Technischen der Verpflegung, mit der Natur der Lebensmittel, mit ihrer chemischen Analyse, dem Nährgehalt etc. — erst in neuester Zeit mit den Verpflegs-Dispositionen an sich eingehender beschäftigt, und bis noch vor wenigen Lustren war die Kenntniss, noch mehr die sichere Anwendung der Verbindung beider Erfordernisse zu einer befriedigenden Lösung der schwierigen Aufgabe ein glücklicher Wurf, für den Wenige die Geschicklichkeit in ihrer Natur-Anlage fanden, eben so Wenige sie erworben hatten. Erst in neuer Zeit mehrt sich die Zahl Jener, welche die Fragen behandeln, die für eine rationelle Durchführung der Verpflegung, für eine eingehende Vorbereitung durch Studien sich darbieten.

Diesem Streben sich dienend anzuschliessen war der Zweck des vorliegenden Aufsatzes.

Es sei gestattet, nochmals darauf hinzuweisen, dass diese Beispiele, welche wir in ihm vorzuführen uns erlaubten, nur Skizzen sind. Es würde der noch eingehenderen Behandlung bedürfen, eines Studiums bis in die Correspondenzen, um mancher Erscheinung auf den Grund zu kommen, das Maass des Einflusses kennen zu lernen und die Technik der Verpflegs-Dispositionen ähnlich durch eine historische Pragmatik zu bereichern, wie dies durch die Forschungen in der Kriegsgeschichte für andere militärische Fächer so nutzbringend bereits geschah.

Wenn so viele ernste Männer es sich zur Aufgabe stellten, den dämmernden Hintergrund der oft so überraschenden Wendungen der Ereignisse im Kriege mit der Leuchte ihres Geistes zu erhellen, um uns Epigonen den Mikrokosmus schauen zu lassen, in dessen Bereiche still, aber mächtig wirkende Kräfte schliesslich mit plutonisch gewaltigem Ausbruche die Welt erschütterten, so war es ihrerseits doch blos die Erkenntniss, dass nur ein tiefes Eindringen in das Geflecht von Absichten, Verwendung der Mittel, Zufall, den Zusammenhang dieser Theile entdecken und das Unerklärbare fasslich werden lässt. Ohne die Bemühungen dieser Militärs den Heroen

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deren Genius als die ohne ihre Aufklärung

der Vergangenheit ihre Gedanken nachzudenken stärkstens bewegende Kraft im Kriege wirkte über die Wirrnisse, Zufälle oder über den systematischen Gang der bewussten sicheren Vorbereitungen der Heerführer ohne ihr Forschen, welches selbst bis in die Stimmungen, in das körperliche Befinden hinein. suchte, um den Ur-Anfang der Thaten zu finden ohne diese mühsamen Arbeiten verdienstvoller Männer, stünden wir heute noch so manchen Plänen der Feldherren, ihren leitenden Gedanken für die Operationen, nicht minder vor manchem naturgemässen Verlaufe der Ereignisse, wie einem Räthsel gegenüber:

nur dem spöttischen Erklärungsversuche des Mephisto

Zwar ist's mit der Gedanken-Fabrik
„Wie mit einem Weber-Meisterstück,
„Wo Ein Tritt tausend Fäden regt,
„Die Schifflein herüber hinüber schiessen,
„Die Fäden ungesehen fliessen,

„Ein Schlag tausend Verbindungen schlägt."

Und gerade bezüglich jener Fäden, welche aus den VerpflegsRücksichten gesponnen wurden und oft zu einem unverantwortlichen Gewebe dienen mussten, kann man mit voller Ueberzeugung sagen, dass sie für die Zeitgenossen bezüglich so vieler der interessantesten Feldzüge noch ungesehen fliessen“.

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Vielleicht können fortgesetzte, noch mehr eingehende, kritische Studien dieser Art, welche das Einverständniss zwischen Feldherren, General- und Verwaltungs-Stab nur fördern würden, beitragen, dass in den Hauptquartieren der Zukunft, ohne selten zu sein, „Ein Schlag tausend Fäden regt, Ein glücklicher Schlag von der Armee tausend Verbindungen schlägt", aber auch mitwirken, um zu verhindern, dass ein durch tadelnswerthe Verpflegs-Dispositionen missglückter oder ein unglücklicher Schlag, schöne Operationen, wie die eines Markgrafen von Baden, blos kühne Pläne, wie jene Mac Mahon's- oder solche, wie die noch unerklärlichen Gedanken - Verbindungen der Russen im gegenwärtigen Kriege zerschlägt!

Marsch der k. k. österreichischen 15. InfanterieBrigade aus dem Ahren- in das Zillerthal über das Hundskehljoch.

Unter den diesjährigen grösseren Truppenübungen wird besonders der Marsch der 15. Infanterie-Brigade unter Führung des General-Majors von Némethy aus dem Pusterthale über das 8149 Fuss hohe Hundskehljoch in das Unterinnthal als eine vorzügliche Leistung der dabei betheiligten Truppen anerkannt.

Diese Truppen bestanden aus dem 4. Kaiserjäger-Bataillon, einem aus sieben Reserve-Compagnien combinirten Kaiserjäger - Bataillon und drei Bataillonen Infanterie, nämlich das Regiment Baron Maroičić Nr. 7, durchgehends nur aus Tyrol und Kärnten sich ergänzende Truppen.

Der Marsch wurde nach beendeter Concentrirung, und zwar unmittelbar am Tage nach der lange dauernden anstrengenden Schlussübung, am 8. September um 6 Uhr Früh, aus Bruneck angetreten und ging an diesem Tage durch das Tauferer- und Ahrn- oder Ahrenthal bis St. Jacob und St. Peter. Letzterer Ort liegt schon 37981 über dem Meere.

Nebenbei bemerkt, nennt man das untere Drittel des Ahrenthales von Bruneck bis Luttach von der wahrhaft malerisch gelegenen Burg Taufers das Tauferer-, von Luttach bis St. Peter das Ahrnthal; von St. Peter bis zum Krimmler Tauern die Prettau. Alles gehört aber zum Flussgebiete des Ahrn.

Das Wetter auf diesem Marsche war sehr ungünstig; bis gegen 10 Uhr regnete es beständig, die Wolken hingen tief herab; weder von den Zillerthaler Fernern noch von der Hochgall-Gruppe war etwas zu sehen.

Namentlich bilden die Eisfelder des Schwarzensteins und der Löffelspitze bei schönem Wetter einen imposanten Hintergrund.

Die vier Meilen von Bruneck bis St. Peter wurden inclusive einstündiger Rast, in 7, Stunden, von 6 Uhr Früh bis 11, Uhr Mittags, also die bekannten kleinen Rasten noch abgerechnet, die ganze Strecke in circa 6 Stunden zurückgelegt.

Bis St. Peter konnte man in einfachen Reihen das ist zu Zweien - marschiren; es können Wagen bis Kasern im oberen Prettau fahren. Am 9. war Rasttag.

Einige in Folge der Manöver-Strapazen schwächlich gewordene Leute wurden wieder nach Bruneck und von da per Bahn in ihre Stationen nach Innsbruck und Hall zurückgeschickt.

Ebenso wurden alle Pferde zurückgeschickt und per Bahn bis Jenbach im Unterinnthale transportirt, um uns von dort, auf der anderen Seite des Gebirges, bis Zell im Zillerthale entgegen zu kommen.

Es verblieb an Thieren bei der Colonne nur der kleine Scheck des Generals und die zwei Maulthiere des Sanitäts-Detachements. Am 10., 6 Uhr Früh, sammelte sich die Brigade in St. Peter und begann um dieselbe Stunde der Anstieg; die ganze Brigade fiel einzeln ab und erreichte dadurch die 1689 Mann starke Colonne eine Länge von gut einer halben Stunde.

Die ersten zwei Stunden ging es wie immer in der Wald-Region recht steil in die Höhe und wurde zweckmässiger Weise ein sehr langsames Tempo genommen.

Mit dem Betreten der Alpen-Region hörte die Steile auf; auch die Fels-Region, welche wir entlang eines kahlen Felsrückens zu durchschreiten hatten, zeigte keine starken Steigungen, bis auf das letzte Stück zum Joch, welches etwas steiler war.

Durch Gefälligkeit eines Cameraden war der Verfasser in der Lage, die erreichten Höhen mittelst eines vortrefflichen Taschen-AneroidBarometers zu controliren und bewährte das kleine Instument (Mailand bei Fries) eine solche Empfindlichkeit, dass Differenzen von 10m leicht zu erkennen waren. Das Wetter hatte das gewisse trügerische Aussehen, welches ebenso zu Hoffnungen wie zu Befürchtungen berechtigt. Die Wolkenschichte respective deren untere Horizontale mochte etwa auf 6500 liegen, nur einzelne Gletscherzungen reichten aus derselben herab.

Hie und da hatten wir einen dürftigen Blick auf ein oder das andere Gletscherfeld, am besten noch auf den Riesenferner in der Hochgall-Gruppe. Die Spitzen, und zwar die zunächst liegende Dreiherrnspitze, ein halbes Dutzend andere Zehn- und Eilftausender, der entferntere 12.000 hohe Grossglockner, kurz das ganze Gebirgsmassiv, auf welchem die Eisfelder lagern, und aus welchen die nur geübten Bergsteigern zugänglichen Hochspitzen emporsteigen, war in dicken Nebel gehüllt.

Es scheint mir jedoch ausser Zweifel, dass bei günstigem Wetter sowohl der Anstieg zum Hundskehljoch als dieses selbst, nach der Lage der Oertlichkeit, für den Touristen in ganz ausserordentlicher Weise dankbar sein müssen.

Die lange Colonne stieg nun flott, ohne Trennungen das Joch hinan, welches von der Spitze derselben um 9', Uhr erreicht wurde.

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Man war also die 43511 von St. Peter in 3 Stunden gestiegen, was wie man zu sagen pflegt "gut gegangen ist" weil man im Hochgebirge auf 10001 Steigung durchschnittlich eine Stunde rechnet. Sobald die Spitze, bei welcher sich der General von Némethy mit dem Stabe befand, das Joch erreicht hatte, intonirte die „Gletscherbanda", ein aus etwa 12 Freiwilligen bestehendes kleines Musik-Detachement der RegimentsMusik Nr. 7, die Volkshymne (die Regiments-Musik war ebenfalls über Jenbach geschickt worden), ein gewaltiges Hurrah donnerte durch die ganze Colonne, der General liess die Truppen auf dem Joche defiliren, nachdem die Queue passirt war, 1/2 Stunde rasten, während welcher Zeit bei einem vom General gebotenen Imbiss die auf dem Joche versammelten Officiere ihren patriotischen und persönlichen sympathischen Empfindungen Ausdruck gaben.

Das erste Hoch brachte der General auf Se. Majestät den Kaiser, in welches begeistert eingestimmt wurde.

Um 10 Uhr wurde zum Weitermarsche geblasen. Es begann jetzt der Abstieg, zuerst durch das öde, durch Bergstürze und LawinenVerheerungen zu einer Steinwüste gestaltete Hundskehlbachthal.

Durch drei Stunden zogen wir ohne ausgesprochenen Weg über die kein Ende nehmen wollenden Felsenmurren, welche sich bald von der einen, bald von der anderen Seite, an einzelnen Stellen auch von beiden Seiten zugleich im Thale vorlegen, wovon aber jede einen kleinen Berg bildet, daher man, trotzdem die allgemeine Richtung hinab geht, beständig und ausgiebig bergauf, bergab steigt. Das Anstrengende dabei war, dass man den Blick nicht vom Boden wenden durfte, ohne sich zwischen den Klippen der Gefahr eines Fehltrittes auszusetzen. Ein Fall, welcher leider einem Sanitäts-Officier passirte, der in Folge dessen durch einen Bauer hinabgetragen werden musste. Das Pferd und die Maulthiere wurden nicht ohne grosse Schwierigkeiten hinabgebracht.

Gegen 2, Uhr traf das Queue Bataillon auf dem Bärenboden ein; so heisst die erste Alpe im Thale, nachdem man die Fels-Region verlassen hat.

Das Wetter hatte sich sehr bös gestaltet. Schon vom Joch herab blies ein starker Nordwest dichten Nebel, feinen Regen und Schneeflocken in's Gesicht; im weiteren Herabsteigen verdüsterte sich das Bild immer mehr, bis endlich unaufhörlicher Regen eintrat, der den Rest des Tages verbitterte.

Unter diesem Wetter rasteten wir auf dem Bärenboden / Stunden. Die Mannschaft verzehrte ihr vom gestrigen zweiten Abkochen mitgenommenes kaltes Fleisch und trank den Etapen-Wein

wer noch

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