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Instructive Uebungen mit Benützung des Kriegs

spieles.

Von k. k. Hauptmann Eduard Reitz des Generalstabs-Corps (Professor an der Militär-Akademie in Wr.-Neustadt).

Der unbezweifelte Nutzen des Kriegsspieles, worüber ausser anderen Schriften ein sehr lesenswerther Aufsatz in dem Januar-Hefte 1877 der ,,Jahrbücher für die deutsche Armee" erschien, besteht hauptsächlich in der Anwendung der Anschauungs-Methode auf tactische Studien.

Durch diese Methode wird zugleich angestrebt, die Verhältnisse der Wirklichkeit im Kleinen nachzubilden, und es erwächst aus diesem Spielvorgange der bedeutende Vortheil, dass die innigen Wechselbeziehungen von Zeit, Raum und den Kraftverhältnissen an concreten Fällen verdeutlicht und ihr immerwährender Einfluss zur unmittelbaren Anschauung gebracht wird.

Für Denjenigen, welcher in tactischer Richtung genügendes Verständniss der Elemente und auch einige Erfahrung im Truppengebrauche besitzt, dabei die Technik des Spieles genügend beherrscht, ist das Kriegsspiel eine beständige Quelle neuer Belehrung und des spannendsten Interesses. Grössere Schwierigkeiten bieten sich dem Anfänger, welcher noch mit der Technik des Spieles zu kämpfen hat und dem noch Gelegenheit fehlte, sich in der Lösung tactischer Aufgaben einige Erfahrung und Routine zu verschaffen.

Gerade aber für den tactischen Unterricht können bei einer etwas geänderten Art des Vorganges die Vortheile des Spieles in einer eminenten Weise dadurch verwerthet werden, dass man den damit verknüpften Anschauungs-Unterricht mit der allerorts als als vortrefflich anerkannten applicatorischen Methode der Unterweisung in Verbindung setzt.

Wenn wir nicht irren, so dürfte diese in ihrer Art unübertreffliche Methodik bei Lösung tactischer Aufgaben eben dem Kriegsspiele ihre Entstehung verdankt haben. Durch diese angedeutete Verknüpfung des Spielvorganges mit der zergliedernden und an die Praxis angelehnten Methode gestaltet sich die Nutzanwendung des Kriegsspieles

zu einem der vorzüglichsten Lehrmittel für den tactischen Unterricht und macht dieses Spiel zugleich zu einer sehr nützlichen Vorstufe für die thematisch-tactischen Uebungen im Terrain.

Da vor Kurzem die obligatorische Einführung des Kriegsspieles mit der zweiten Auflage der Instruction für Truppenschulen erfolgte, mit welcher zugleich ein geänderter Modus in der Bearbeitung tactischer Aufgaben vorgeschrieben wurde, so sei es hier gestattet, in Kürze einige Erfahrungen anzudeuten, welche eine nützliche Verknüpfung beider Uebungen zum Ziele haben.

Der Vorgang bei solcher Verwerthung des Kriegsspieles lehnt sich zunächst an die stufenweisen Fortschritte des Anfängers bei Erlernung der tactischen Theorie. Als erste Uebung werden die erörterten tactischen Formen mit den Signatur-Marken zur Darstellung gebracht.

Hiebei wird mit den tactischen Einheiten der drei Waffen nach den Bestimmungen der bezüglichen Reglements begonnen, und allmälig zu grösseren Körpern übergegangen.

Zu diesen Anfangs-Uebungen gesellt sich auch die Gruppirung der Signaturen zu den im Dienst-Reglement, 2. Theil, vorgeschriebenen Marsch- und Lager-Formen.

Der Leiter des Unterrichtes macht den Spielenden zunächst auf die räumlichen Verhältnisse der Ausdehnung in Breite und Tiefe, ColonnenLänge, des Beherrschungsraumes und der Sicherungs-Zone etc. aufmerksam.

Als 2. Uebung empfiehlt sich die Veranschaulichung des Ueberganges aus einer Formation in die andere, z. B. der Uebergang aus den Bereitschafts- in die Marsch- oder Gefechts - Formationen bei einer Infanterie-Brigade nach genauer Zeitberechnung mit Ausnützung der üblichen Spielzüge zu 2 Minuten.

Hiebei ist auf Anführung der vorgeschriebenen Commando's oder Aviso's zu halten.

3. Elementare Feld-Dienstübungen: Marsch-Formen von Patrullen, Streif-Commanden; Annahme der gesicherten Haltstellung; Bewegung der Patrullen nach Spielzügen; Aufstellung von Hauptposten, Feldwachen.

Hiebei ist stets auf die Formulirung von Aufträgen, Meldungen etc. zu halten und sind dieselben soviel als möglich schriftlich verfassen zu lassen. 4. Versinnlichung der wichtigsten Grundsätze bei der Vertheidigung von Oertlichkeiten und beim Angriff auf dieselben; Vertheilung der Besetzungs-Truppen; Gruppirung der Streitkräfte zum Angriffe etc.

Hiebei sind für kleine Detachements selbständige Aufgaben festzustellen, vorläufig ohne Gegenseitigkeit oder höchstens mit markirter Aufstellung des Gegners und strenge nach der für die Lösung tactischer Aufgaben im §. 26 der Instruction für Truppenschulen angedeuteten Art punctweise zu erörtern, dann erst nach Spielzügen auszuführen. 5. Instructions-Uebungen im Sicherungs- und Nachrichten-Dienste; diese sind aus dem Rahmen grösserer Aufgaben herauszuheben und in der sub 4 angedeuteten Art durchzuführen. Ein in allgemeinen Zügen gehaltenes Beispiel soll dies verdeutlichen.

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"Nach einer allgemeinen Annahme befindet sich ein Heereskörper bei einer Offensive gegen den Raum BC auf mehreren Parallel-Strassen im Vormarsche.

Eine Truppen-Division bildet die Vorhut des auf der Strasse von A vorrückenden Heerestheiles. Dieselbe ist nach einem vorausgegangenen starken Marsche mit ihren Vortruppen am nten Abends 6 Uhr bei W angelangt, und soll nächst A im Echiquier-Verhältnisse biwakiren, den Raum M L P im Anschlusse an andere Vortruppen (I, III.) durch Vorposten sichern.

Gegnerische Cavalerie-Patrullen haben am Morgen desselben Tages die 8 Meilen entfernte Linie BC in der Richtung gegen A überschritten."

Die auf dem Spiel-Plane zu lösende Aufgabe besteht nun in Folgendem :

a) Aufstellung der Vorhut der Truppen-Division im „gesicherten Halt" nächst W.

6) Ertheilung der Vorposten-Disposition auf Grundlage vorausgegangener Erwägung der Ausdehnung des Sicherungsraumes, der Terrain - Beschaffenheit, der Hauptverbindungen, der dazu erforderlichen Truppenstärke, Zusammensetzung nach Waffengattungen etc.

Der Uebungsleiter unterstützt diesen nothwendigen Calcul durch fortgesetzte Fragestellung, z. B.: Wie gross ist der zu sichernde Raum?

In wie viel Rayons (Vorposten-Gruppen) wird derselbe mit Rücksicht auf eine genügende Sicherung und auf die Terrain-Beschaffenheit zu gliedern sein? Welches sind die wichtigsten Abschnitte und warum?

Wie stark werden die aufzustellenden Hauptposten zu sein haben? Wie wird in der zweckmässigsten Weise die Vertheilung dieser Hauptposten an die einzelnen Unterabtheilungen mit Rücksicht auf den tactischen Verband erfolgen? Entwerfen Sie auf Grund dieser Erwägungen die Vorposten-Disposition genau nach der im Dienst-Reglement, 2. Theil, hiefür enthaltenen Vorschrift? etc.

c) Uebergang aus der gesicherten Haltstellung in die Vorposten - Aufstellung.

Das Abrücken aller Hauptposten erfolgt zugleich, nach Spielzügen, nachdem, wenn eine genügende Anzahl von Theilnehmern, jedem ein Hauptposten zugewiesen wurde.

Jeder derselben gibt nach der beihabenden Specialkarte die Marschlinie an, auf welcher er seinen Bestimmungsort zu erreichen gedenkt. Jeder Hauptposten-Commandant stellt seine Truppen-Abtheilung in der Marsch-Formation auf. Hiebei sind Cavalerie-Patrullen weiter vorgeschoben.

Der Uebungsleiter fragt nun z. B.: Welchen Auftrag hat diese welchen jene Patrulle? Warum wurde der an der Marschlinie seitwärts gelegene Ort von der Patrulle nicht abgesucht? etc.

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Auf ähnliche Weise erfolgt nun von Seite der Hauptposten-Commandanten die Vertheilung der Feldwachen, die Ertheilung der Aufträge an die Feldwach-Commandanten, das gleichzeitige Abrücken der Feldwachen, die Einleitung des Patrullenganges, sowie die Vornahme der Ablösung etc.

An einem anderen Beispiele liessen sich der „AufklärungsDienst grösserer Cavalerie-Körper vor der Front eines

Heerestheiles" zur Anschauung bringen, und einzelne Detail-Aufgaben aus demselben nach Art des Kriegsspieles durchführen.

Die allgemeine Supposition, sowie die entsprechende Disposition im Grossen müsste hier auf Grundlage von Specialkarten erfolgen, und erst bei Ausführung der Details wäre auf die Kriegsspielpläne überzugehen. Eine derartige Aufgabe wäre ungefähr in folgenden Zügen durchzuführen:

„Bei dem offensiven Fluss-Uebergange eines ArmeeTheiles zwischen G und P werden 1, Cavalerie-TruppenDivisionen gegen FHM vorgeschoben.

Die letztgenannten Puncte können laut KundschaftsNachrichten am selben Tage von den Spitzen eines nordwestlichen Gegners erreicht werden."

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Bei der Disponirung der zur Maskirung und Aufklärung verwendeten Cavalerie handelt es sich um folgende Haupt-Erwägungen, die nach der Specialkarte vorzunehmen sind:

1. Wie gross ist der von der verfügbaren Cavalerie zu deckende Raum? Wie gross die Entfernung vom Gegner?

2. Welches sind die wichtigsten Vorrückungs-Linien eigener- und gegnerischerseits ?

3. Wie wird die gesammte Cavalerie mit Rücksicht auf die Entfernung vom Gegner, die Communicationen, die Terrain-Beschaffenheit, die gegenseitige Verbindung etc. zu gruppiren sein?

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