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In Beziehung auf das praktische Leben erzeugt das Studium der Geschichte jenen Geist der Humanität, der den gebildeten Militär auf das in seiner Kraft beruhende Uebergewicht in der gesellschaftlichen Stellung verzichten und zur Behauptung seiner Würde nur auf geistige Superiorität und Gediegenheit des Charakters sich stützen lässt. Es vernichtet alle Vorurtheile über absolute Prärogative unseres Standes, deren Grundlosigkeit durch eine genauere Kenntniss des staatsbürgerlichen Zusammenwirkens bald einleuchtend wird. Endlich ist es besonders für den jungen Militär von überwiegender Wichtigkeit, den der Drang nach Thaten und eine weit geöffnete Zukunft — bei den unzureichenden Beschäftigungen des Friedens oft zu extremen Entwürfen verleiten und ihn das Ziel seines unbestimmten Strebens, die Erfüllung seiner grossen Hoffnungen, auf kriegerischen Abenteuern in fernen Ländern suchen machen. Die Geschichte überzeugt von der Nichtigkeit solcher Phantasie - Verirrungen und stellt den uneigennützigen, aufopfernden Dienst für das Vaterland als das erhabenste, sich selbst vollständig lohnende Ziel der Thätigkeit seiner Krieger dar, die nicht allein zum Kampfe in der Gefahr, sondern auch zur steten Vorbereitung für diesen Kampf berufen sind. Brixen, am 27. Februar 1836.

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geammton Kriegskunde gehören in diesen Bereich. Wer das geistige wid mater role Laden der Völker in den Haupt-Epochen der Geschichte, do Gran Pdoen grosser Ereignisse und die Einwirkungen nicht kennt, sul doa Geist der Kriegführung hervorbrachten, der wird wetho ང་ vergedois lom fertigen Stoffe der Kriegsresultate sich abmühen, Vicca has ungen zu ziehen suchen, deren tiefe und in der Verpergeadost. Degende Quellen für ihn unentdeckt sind. Welche unendliche deded boil wischen den Kriegen der republikanischen Legionen ། ༣་ ངi enen des Kaiserreiches, dem dreissigjährigen deutschen gorrego und den Kämpfen gegen Frankreichs geistige und politidoties atversuche am Knotenpuncte der beiden letzten Jahrhunderte! can doar de Vervollkommnungen der Kriegskunst geben hier den & sur Beurtheilung: er muss in den freiesten Lebensäusserungen kor, in den Gestaltungen der ganzen Zeit gesucht werden. Alle Veranderungen im Gebiete der Kriegswissenschaften sind nothwendig nur dich bedingt, und können nur von diesem Höhenpuncte aus in ihrem mmonhauge überblickt und mit Erfolg studirt werden. Die nach leomentar-Ausbildung des Militärs als unerlässliche Folge anerkannten don der Geschichte der Kriegskunst und der Kriegsgeschichte bleiben konhaft ohne jene Uebersicht in das innere Getriebe der Begebenhon, welche die allgemeine Geschichte verschafft. Die Prüfung einzelner Argoteignisse oder Erfahrungen der Kriegskunst veranlasst, wenn sie icht durchaus pragmatisch behandelt wird, häufig eine Beschränktheit und holo dos Urtheiles von den nachtheiligsten Wirkungen und stellt Ideen fest, dereu tucksichtslose Ausführung dem steten Gange einer zeitentsprechenden

audorung oft grosse Hindernisse entgegen stellt oder ihm wenigstens eine tektochatte Richtung gibt. Wer aber mit dem Geiste der Geschichte studirt, wad bald erkennen, dass im Bereiche der Erfahrungswissenschaften, kein ustand derselben als unumstössliche, für alle Zeiten geltende Wahrheit augenommen werden dürfe, sondern dass auch hier das Naturgesetz der steten Howegung immer neue Modificationen nothwendig mache. Er wird die aerlasslichkeit einsehen, dass man Institute und den Geist ihrer Austuhrung den Menschen anpassen müsse, dass der menschliche Wille und dio That sich nicht den Berechnungen der algebraischen Analyse fügen.

Daher wäre es auch, um dem Militär das Studium seiner Berufswissenschaften in diesem Sinne zu erleichtern und erfolgreicher zu machen, sohr wünschenswerth, wenn diese Wissenschaften eine mehr geschichtliche Bearbeitung erhielten. Sie sind durch die Zeit entstanden und nur die Anschauung dieses Entstehens gibt deutliche Begriffe über ihre Theorien und Grundgesetzo.

In Beziehung auf das praktische Leben erzeugt das Studium der Geschichte jenen Geist der Humanität, der den gebildeten Militär auf das in seiner Kraft beruhende Uebergewicht in der gesellschaftlichen Stellung verzichten und zur Behauptung seiner Würde nur auf geistige Superiorität und Gediegenheit des Charakters sich stützen lässt. Es vernichtet alle Vorurtheile über absolute Prärogative unseres Standes, deren Grundlosigkeit durch eine genauere Kenntniss des staatsbürgerlichen Zusammenwirkens bald einleuchtend wird. Endlich ist es besonders für den jungen Militär von überwiegender Wichtigkeit, den der Drang nach Thaten und eine weit geöffnete Zukunft bei den unzureichenden Beschäftigungen des Friedens oft zu extremen Entwürfen verleiten und ihn das Ziel seines unbestimmten Strebens, die Erfüllung seiner grossen Hoffnungen, auf kriegerischen Abenteuern in fernen Ländern suchen machen. Die Geschichte überzeugt von der Nichtigkeit solcher Phantasie - Verirrungen und stellt den uneigennützigen, aufopfernden Dienst für das Vaterland als das erhabenste, sich selbst vollständig lohnende Ziel der Thätigkeit seiner Krieger dar, die nicht allein zum Kampfe in der Gefahr, sondern auch zur steten Vorbereitung für diesen Kampf berufen sind. Brixen, am 27. Februar 1836.

Die Industrie als Hilfsmittel des Krieges.

Vortrag, gehalten im militär-wissenschaftlichen Vereine zu Wien am 23. März 1877, vom k. k. Hauptmann Baron Potier des Echelles.

Kampf, die Lebensbedingung jeder Existenz im Weltall, ist auch das Motiv zum Werden und zur Entwicklung der Industrie.

Von den Uranfängen der Zeiten bis zur Gegenwart, von der Keule bis zum Hunderttons-Geschütz, ist Erwerben und Erhalten, und naturgemäss auch Angriff und Vertheidigung in ewig wechselvollen Wogen das Streben der Menschheit geblieben, und wird es immer bleiben, so lange es Leidenschaften, d. h. so lange es Menschen gibt.

Während die übrigen von der Natur mit Werkzeugen zu Schutz und Trutz ausgerüsteten Geschöpfe immer nur auf diese, ihrem Organismus eigenthümlichen Waffen angewiesen sind, war des Menschen Geist bedacht, weniger durch rohe Kraft, als vielmehr durch Ueberlegenheit der Waffe und deren Gebrauch sich des Sieges zu versichern.

Dieses Streben nun regte den industriellen Sinn des Einzelnen zur Verbesserung der Waffen an, welche der Zeiten Lauf hat daran nichts. geändert - vom Besiegten als wesentliche Ursache der erlittenen Niederlage betrachtet, nicht allein nachgeahmt, sondern meist auch vervollkommnet wurden.

Brachte der Sieg dem Einen Vortheile und mit ihnen die Kenntniss mancher ungeahnter Bedürfnisse, so musste dagegen der Andere bemüht sein, den Schaden zu verbessern und auf Wiedergewinn zu denken. In allen Fällen musste die Industrie in Anspruch genommen werden, welche, indem sie den an sie gestellten Forderungen genügte, die Impulse zu ihrer Thätigkeit doch eigentlich der Wirkung jener Factoren verdankt, welche die Resultate des Kampfes sind.

Was für das Individuum, für Stämme galt, hat nicht minder Werth für Völker und Nationen. Krieg und Handel, diese Culturträger aller Zeiten, haben nicht allein Kunst und Wissenschaft verbreitet, sondern in höherem Maasse noch die Kenntniss von Wehr und Waffen und ihrer Anfertigung gefördert.

Doch nicht nur indirect, sondern unmittelbarer führte das Bedürf niss des Heerwesens zur Erfindung von Objecten, welche heute so

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unentbehrlich geworden sind, dass selbst die Vorstellung, es könne einmal anders gewesen sein, der Gegenwart entrückt ist. Und doch führte das Bedürfniss, bei um nur Ein Beispiel anzuführen Bekleidung der Soldaten an Stoff zu sparen und jene selbst bequemer, anpassender und dauerhafter zu machen, zur Erfindung der Knöpfe. - Die Metall-Industrie, speciell die Giesserei, datirt ihren Aufschwung seit Einführung der Kanonen; die Textil-Industrie seit Errichtung der Landsknechte, deren Heerhaufen durch die Haus-Industrie nicht mehr bekleidet werden konnten. Die Gründung stehender Heere war für viele Industriezweige von epochemachender Bedeutung, indem fast in allen Ländern der Wunsch, die Bedürfnisse des Heeres innerhalb der eigenen Grenzen zu decken, zur Errichtung von Fabriken führte, die theils direct vom Staate, theils mit dessen Unterstützung gegründet den Keim zur industriellen Entwicklung des Landes und dessen erhöhtem Wohlstande legten.

In Oesterreich gibt es, Dank der Initiative der grossen Kaiserin Maria Theresia fast keine einzige bedeutendere Industrie, welche ihre Impulse nicht in Folge der Bedürfnisse des Heerwesens empfangen hätte; welch' letzteres häufig selbstthätig eingreifen musste, um Indolenz und Vorurtheile zu besiegen.

Heute gibt es auf dem beinahe unermesslichen, von Gewerbe und Industrie beherrschtem Gebiete fast keinen Zweig, der nicht in irgend einer Weise an den Arbeiten für die Herstellung der Bedürfnisse des Heerwesens betheiligt wäre. Es war immer so, und ist nun in weit höherem Maasse der Fall, seit der Krieg eine Kunst, dessen Führung eine Wissenschaft geworden ist.

Die grossen Fortschritte auf allen Gebieten des Lebens, der Technik und Industrie, die Massenhaftigkeit der aufgebotenen, schon im Frieden für den Krieg auszubildenden Streitkräfte, haben die Bedürfnisse des Heerwesens in hohem Grade vervielfältigt und gesteigert. Wo früher einzelne Gewerke arbeiteten, sind jetzt Fabriken fast ausschliesslich für das Heer in Anspruch genommen, steht die Entwicklung und Vervollkommnung vieler Industriezweige im innigsten Zusammenhange mit moderner Kriegs-Technik, wie anderseits diese in einer hochentwickelten Industrie ihre kräftigste Unterstützung findet.

Was dieselbe zu leisten vermag, zeigte die Erfindung und rasche Einführung der gezogenen Kanonen, welche jene der Panzerschiffe zu Folge hatte, die wieder die Torpedos zeugten. Das Bedürfniss, gelegentlich des amerikanischen Bürgerkrieges gleichsam aus Nichts

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