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Die Verluste durch Unglücksfälle betrugen 29 bei den Officieren (darunter 1 tödtlich) und 234 bei der Mannschaft (darunter 63 tödtlich).

Die Arbeit würde, wie der Autor selbst sagt, wesentlich gewonnen haben, wenn die Resultate auch nach Affairen und im Vergleiche mit der Etats-Stärke der Heere hätten gruppirt werden können, dann wenn der Munitions-Verbrauch mit in Anschlag gebracht worden wäre. Doch war hiezu theils das nöthige Material abgängig, theils würde die Arbeit, zu der sich der Autor ohnehin spät entschloss, da er abwarten wollte ob nicht berufenere Kräfte eine solche beginnen, noch mehr verzögert worden sein.

Wenn dieselbe auch, wie schon vorerwähnt, des mangelnden Materiales wegen auf Vollständigkeit nicht Anspruch machen kann, wenn auch unter dem Streben nach grosser Deutlichkeit gerade diese mitunter leidet, wie beispielsweise in jenen Tabellen, wo der Sitz der Verwundung nach 62 verschiedenen Körpertheilen gruppirt wurde, so ist dennoch der Fleiss des Autors, der solch ein Zahlen-Material bewältigte, nicht genug anzuerkennen, und füllt sein Werk jene Lücke aus, welche die eingangs erwähnten statistischen Bearbeitungen über die deutschen Verlustangaben im Kriege 1870-71 gelassen. Es wird daher so lange von Werth sein, bis die im preussischen Kriegs-Ministerium betriebenen Arbeiten zur Zusammenstellung einer das gesammte deutsche. Heer umfassenden amtlichen Statistik beendet und zur Veröffentlichung gelangt sind.

Für jeden künftigen Krieg zwischen civilisirten Nationen wird aber durch die hier befolgte Methode sowohl, als durch die unfreiwilligen Lücken ihrer diesmaligen Ausführung, der Weg gezeigt, auf welche statistischen Aufzeichnungen vom Beginne an mit Sorgfalt und Eifer zu achten sein wird, um der noch jungen Wissenschaft der Statistik die Möglichkeit zu geben, auch auf diesem Felde zu sicheren und nützlichen Schlussfolgerungen gelangen zu können.

Hauptmann Haradauer.

Miscellen.

Mittel zur Controle des Marschtempo's.

Im praktischen Truppendienste wird schon mancher Commandant die mehr weniger begründete Bemerkung von Seite eines inspicirenden Vorgesetzten gehört haben, das Marschtempo seiner Truppe sei mit Bezug auf die Vorschrift zu schnell oder das Marschtempo sei zu langsam. Mitunter hat so eine Bemerkung recht unangenehme Folgen, obwohl es bei dem Umstande, als man nicht jedem Spielmanne eine Secundenuhr oder einen kostspieligen Metronom geben kann, für den Mann recht schwer ist, gerade das richtige Tempo zu treffen.

In den nachfolgenden Zeilen soll ein Mittel angegeben werden, das einfach ist, ohne Kosten hergestellt werden kann und jederzeit die Möglichkeit bietet, das Marschtempo mit genügender Genauigkeit zu controliren.

Das vorgeschriebene Marschtempo beträgt beim gewöhnlichen Marsche 115-118 Schritt, beim Schnellschritt 125-130 Schritt und beim Lauftritt 150-160 Schritt in der Minute.

Im Durchschnitt kann man also 116, beziehungsweise 128 und 155 Schritte in der Minute für die drei Bewegungsarten annehmen.

Ein mathematisches Pendel macht nach der Berechnung in unseren geographischen Breitegraden bei circa 265 603mm Länge 116 Schwingungen, bei circa 219-072mm Länge 128 Schwingungen und bei circa 148.754mm Länge 155 Schwingungen in der Minute, so dass uns Pendel von diesen Längen durch die Raschheit ihrer Schwingungen das Tempo für die betreffende Bewegungsart markiren würden.

Natürlich lässt sich ein physisches Pendel dadurch, dass man ihm die für das mathematische Pendel auf Tausendstel vom Millimeter angegebene Länge ertheilt, schon aus dem Grunde nicht gut herstellen, weil man die Tausendstel von Millimeter nicht abzumessen vermöchte, überdies wirken beim physischen Pendel Widerstand der Luft, Reibung etc. modificirend auf die Länge ein.

Es gelingt aber sehr leicht, einem Pendel, das man aus einer an einem Faden befestigten Kugel hergestellt hat, durch Versuche auf empirischem Wege jene Länge zu geben, die nothwendig ist, damit es 116, 128 oder 155 Schwingungen in der Minute mache.

Fixirt man diese so ermittelte Länge in unverrückbarer Weise, so hat man ein einfaches Mittel um sich jederzeit von der Richtigkeit des Marschtempo's zu überzeugen, ein Mittel, das man jedem Spielmann geben kann, da es eben keine Auslagen verursacht.

Zwei durch einen Seidenfaden oder durch Schusterdraht festverbundene Gewehrkugeln dürften am besten entsprechen. Der Mann erfasst die eine Kugel und lässt die andere frei schwingen.

Eine Hauptsache dabei ist nur, dass sich die ermittelte Länge nicht verändere, daher die Enden des Fadens fest und unverrückbar in den Kugeln befestigt werden müssen.

Zur Ansicht lege ich zwei solche Pendel (eines für 116, das andere für 128 Schwingungen) bei1), und bemerke nur, dass sich dieselben mit Leichtigkeit solider herstellen lassen. Es liegt auch schliesslich gar nichts daran, wenn das Pendel um eine oder zwei Schwingungen in der Minute zu viel oder zu wenig macht, weil ja das Reglement diesen Spielraum in der Geschwindigkeit des Marschtempo's zulässt.

Die Möglichkeit wird man dadurch immerhin haben, abfällige Bemerkungen über das Marschtempo sofort auf ihre Richtigkeit zu prüfen.

1) Erliegen im Bibliothek-Zimmer des militär-wissenschaftlichen Vereines in Wien.

Das Studium der Geschichte für den Militär.

Von k. k. Hauptmann Carl von Stiber').

Alle Regungen des bürgerlichen Lebens, vom Ackerbaue und den Gewerben im engen Kreise, ihren materiellen Beschäftigungen, bis zu den staatenbewegenden Acten des ministeriellen Portefeuilles, gehen

1) Veterane der Armee, welche vor fünfzig Jahren ihre militärische Ausbildung in der Wr.-Neustädter Akademie erhalten haben, erinnern sich gewiss mit dankbarer Verehrung des biederen, gemüthlichen, kleinen Hauptmannes Stiber, ihres Compagnie-Commandanten und Lehrers im Militär-Geschäftsstyle, sowie seines Sohnes Carl, welcher als Zögling der Anstalt dem im Jahre 1829 ausgetretenen Jahrgange angehörte.

Carl Stiber von Hornheim wurde in das 59. Linien-Infanterie-Regiment Grossherzog von Baden als Fähnrich eingetheilt und wusste sich in kurzer Zeit durch seine ausgezeichnete Geistesbildung gleichwie durch hervorragende Charakter-Eigenschaften Achtung und Liebe von Cameraden und Vorgesetzten im hohen Grade zu erwerben. Er war der Liebling des Officiers-Corps und galt nach wenig Jahren als ein Hauptförderer des in selbem herrschenden guten Geistes.

Bis zum Jahre 1848 hatte er die Hauptmanns-Charge erreicht und war während des italienischen Feldzuges mit dem Regimente im III. vom FML. Graf Thurn befehligten Armee-Corps eingetheilt, welchem während der Unternehmung des FM. Radetzky gegen Vicenza die Sicherung von Süd-Tirol und später bei der Offensive gegen die piemontesische Armee der Angriff des feindlichen linken Flügels als Aufgabe zufiel. Am 18. Juni 1848 sollte die nur schwach besetzt geglaubte Stellung der Piemontesen auf dem Monte Baldo bei der Madonna della Corona durch den combinirten Angriff zweier von Avio und Brentonico auf dem Monte della Neve eingetroffenen Colonnen bezwungen werden, allein der wider Vermuthen weit überlegene Feind schlug mehrere kühn unternommene Sturm-Angriffe ab und ging selbst mit entschiedener Ueberlegenheit zur Offensive über. Hauptmann Stiber, welcher mit seiner Compagnie auf dem äussersten rechten Flügel sich befand, erkannte die Gefahr, welche ein Nachgeben seinerseits für den Rückzug der übrigen haben würde und hielt, indem er seine braven Salzburger muthig anfeuerte, in der Tirailleur-Kette auf dem Flecke aus, bis er von iner feindlichen Kugel dahingestreckt wurde. Der angestrebte Zweck war mit dem Opfer seines Lebens erreicht. Der Rückzug der Colonnen konnte in Ordnung stattfinden. Dem tapferen Officier ward die nicht häufig vorkommende Ehre zu Theil. dass ihm der Feind einen Leichenstein setzte. Als unsere Truppen fünf Tage darauf die Stellung einnahmen, fanden sie bei Spiazzi einen behauenen Stein mit den wenigen eingemeisselten Worten: A Stiber prode capitano austriaco 18. Giunio 1848. Dem schriftlichen Nachlasse des vor 30 Jahren in seinem Berufe heldenmüthig gefallenen Neustädter Cameraden sind die folgenden auch jetzt noch wertvollen Zeilen entnommen. D. R.

Organ der milit.-wissenschaftl. Vereine. XV. Bd. 1877.

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gesammten Kriegskunde gehören in diesen Bereich. Wer das geistige und materielle Leben der Völker in den Haupt-Epochen der Geschichte, die Grundideen grosser Ereignisse und die Einwirkungen nicht kennt, welche sie auf den Geist der Kriegführung hervorbrachten, der wird vergebens an dem fertigen Stoffe der Kriegsresultate sich abmühen, Nutzen aus Erfahrungen zu ziehen suchen, deren tiefe und in der Vergangenheit liegende Quellen für ihn unentdeckt sind. Welche unendliche Verschiedenheit zwischen den Kriegen der republikanischen Legionen. Roms und jenen des Kaiserreiches, dem dreissigjährigen deutschen Religionskriege und den Kämpfen gegen Frankreichs geistige und politische Gewaltversuche am Knotenpuncte der beiden letzten Jahrhunderte! Nicht allein die Vervollkommnungen der Kriegskunst geben hier den Stützpunct zur Beurtheilung; er muss in den freiesten Lebensäusserungen der Völker, in den Gestaltungen der ganzen Zeit gesucht werden. Alle Veränderungen im Gebiete der Kriegswissenschaften sind nothwendig nur hiedurch bedingt, und können nur von diesem Höhenpuncte aus in ihrem Zusammenhange überblickt und mit Erfolg studirt werden. Die nach der Elementar-Ausbildung des Militärs als unerlässliche Folge anerkannten Studien der Geschichte der Kriegskunst und der Kriegsgeschichte bleiben stets lückenhaft ohne jene Uebersicht in das innere Getriebe der Begebenheiten, welche die allgemeine Geschichte verschafft. Die Prüfung einzelner Kriegsereignisse oder Erfahrungen der Kriegskunst veranlasst, wenn sie nicht durchaus pragmatisch behandelt wird, häufig eine Beschränktheit und Schiefe des Urtheiles von den nachtheiligsten Wirkungen und stellt Ideen fest, deren rücksichtslose Ausführung dem steten Gange einer zeitentsprechenden Veränderung oft grosse Hindernisse entgegen stellt oder ihm wenigstens eine fehlerhafte Richtung gibt. Wer aber mit dem Geiste der Geschichte studirt, wird bald erkennen, dass im Bereiche der Erfahrungswissenschaften, kein Zustand derselben als unumstössliche, für alle Zeiten geltende Wahrheit angenommen werden dürfe, sondern dass auch hier das Naturgesetz der steten Bewegung immer neue Modificationen nothwendig mache. Er wird die Unerlässlichkeit einsehen, dass man Institute und den Geist ihrer Ausführung den Menschen anpassen müsse, dass der menschliche Wille und die That sich nicht den Berechnungen der algebraischen Analyse fügen.

Daher wäre es auch, um dem Militär das Studium seiner Berufswissenschaften in diesem Sinne zu erleichtern und erfolgreicher zu machen, sehr wünschenswerth, wenn diese Wissenschaften eine mehr geschichtliche Bearbeitung erhielten. Sie sind durch die Zeit entstanden und nur die Anschauung dieses Entstehens gibt deutliche Begriffe über ihre Theorien und Grundgesetze.

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