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Demgemäss dürfte der gesammte Augmentations - Vorrath 1,000.000 completer Monturen erreichen, ungerechnet circa 260.000 Monturen, mit welchen die für die ersten Nachschübe bestimmten Urlauber und Recruten bei den Depot-Truppen eingekleidet werden.

Die Augmentations-Vorräthe sind deponirt:

Der Feld-, Cordons-, Festungs- und Local-Truppen bei ihren activen, beziehungsweise Cadre-Abtheilungen selbst;

des Garde-Reserve-Infanterie-Regimentes bei seinem Cadre-Bataillon in St. Petersburg;

der Garde-Ersatz-Infanterie-Bataillone in St. Petersburg;

der Grenadier-Ersatz-Infanterie in Moskau und Tiflis;

der Armee-Reserve- und Ersatz-Infanterie-Bataillone bei jenen LocalInfanterie-Commanden, bei welchen die Reserve- und Ersatz-Infanterie-Compagnien vor ihrer Zusammenziehung in Bataillone kreisweise formirt werden; des Garde-Ersatz-Schützen-Bataillons in St. Petersburg;

der Armee-Ersatz-Schützen-Bataillone in. Moskau, beziehungsweise des kaukasischen in Tiflis;

der Marsch-(Reserve-) Cavalerie-Escadronen der Garde in St. Petersbung, der Armee-Cavalerie bei den Ersatz-Cavalerie-Brigaden in den Gouvernements Voronež und Rjazan;

der Reserve- und Ersatz-Batterien bei den im Frieden bestehenden Ersatz-Brigaden der Fuss-Artillerie in Novgorod, Smolensk, Kursk und Taganrog, endlich für

die Reserve- und Ersatz-Genie-Truppen in den Brigade-Stabs-Orten: St. Petersburg, Riga, Kiew, Warschau und Tiflis.

Von den bei den Truppen und in den Intendanz-Depots erliegenden Augmentations-Vorräthen sind die Wäsche nur im Materiale, von der Beschuhung ein Paar Stiefel im fertigen Zustande und ein zweites Paar im Materiale; von der grossen Montur sind die bei den Truppen hinterlegten Vorräthe ganz fertig, jene in den Intendanz-Depots aber zugeschnitten und bis auf die Egalisirungs-Abzeichen auf den Aermeln, Krägen und Achseldragonern zusammengenäht.

Die zur 3. und 4. Classe gehörigen Armaturs- und Rüstungs-Gegenstände, sowie die Pferde-Rüstungen befinden sich im vollkommen fertigen Zustande. Die Auffrischung der unmittelbaren Augmentations-Vorräthe erfolgt durch

deren Hinausgabe an die Truppen und Neuerzeugungen.

Die ausserordentlichen Vorräthe theilen sich in die Monturen für neue Formationen im Kriege und in Mäntel, Stiefel, welche während des Krieges ohne Rücksicht auf die Tragzeit ausgefolgt werden.

Bis 1874, da die neuen Reserve- und Ersatz-Truppen, sowie die Vermehrung der bestandenen Feld-Truppen normirt wurde, waren die ausserordentlichen Vorräthe im europäischen Russland für 100.000 Mann Infanterie

und im Kaukasus für 16.000 Mann Infanterie, theils im fertigen, theils im halbfertigen Materiale systemisirt; ferner waren zu ausserordentlichen Zwecken im europäischen Russland 50.000 Mäntel und 130.000 Paar Stiefelvorschuhe und im Kaukasus 3000 Mäntel und 8000 Stiefelvorschuhe im Materiale deponirt. Von diesen durfte nur mit Allerhöchster Bewilligung ein Gebrauch gemacht werden. Ob und in welchem Maasse auch die ausserordentlichen Vorräthe für den Krieg vermehrt werden, kam bisher nichts in die Oeffentlichkeit.

Der fünfpercentige Vorrath zur aushilfsweisen Bekleidung der einberufenen Recruten betrug 1874 26.500 Mäntel, eben so viele Beinkleider und Paar Stiefel.

Selbst für die Bekleidung der Kriegsgefangenen ist in Russland Bedacht genommen 1).

Schliesslich wird hervorgehoben, dass die Regimenter, welche gewisse Bekleidungsstücke aus den Intendanz-Depots nur halbfertig ausfassen müssen, durch deren Herstellung in ganz fertigen Zustand in der Marschbereitschaft für den Krieg zurückgehalten werden, indem manche Truppen hiedurch anstatt binnen 14 Tagen, erst nach weiteren 14 Tagen ausmarschiren, ein Uebelstand, welcher nur durch eine einfachere Adjustirungs-Vorschrift und durch die vollständige Erzeugung der deponirten Augmentations-Bekleidungsstücke beseitigt werden könnte.

Im März 1877.

Opačić.

1) Es erhalten dieselben 2 Hemden, 2 Gattien, 1 Tuch-Pantalon, 1 Tachspenser, 1 Halstuch, 1 Soldaten-Mantel und 1 Tuchkappe sämmtliche Tuchsorten von dunkelgrüner Farbe und ohne äussere Abzeichen, jedoch mit glatten Metallknöpfen.

Zur Statistik der Verluste im Kriege.

Die statistischen Nachrichten über die Grösse der Verluste, welche uns aus früheren Kriegen zu Gebote stehen, sind sehr dürftiger Natur und beschränken sich meist auf die summarische Angabe der Zahl an Todten und Verwundeten. Es ist dies um so auffälliger, als die Statistik sonst von allen Todesfällen und Verletzungen, nach jeder Richtung hin, in genauester Weise Act nimmt, um so bedauerlicher, als derlei Ermittlungen für die Kriegswissenschaft sowohl im Allgemeinen als für das Militär-, Sanitäts-, Invaliden- und insbesondere für das Versicherungswesen von grösstem Werthe sind.

Die ersten eingehenden Arbeiten in dieser Richtung waren jene des Professors Dr. J. C. Chenu in Paris, der in seinen Werken über den orientalischen Krieg, sowie über den Feldzug in Italien eine detaillirte Darstellung der Art der Verletzungen, dann des Verlaufes der Verwundungen und Krankheitsfälle brachte.

Hieran schliesst sich: „Sodenstern's das norddeutsche Bundesheer im Kampfe gegen Frankreich 1870-71. Eine vergleichende Uebersicht der Theilnahme jedes einzelnen Truppentheiles auf Grund der officiellen Verlustlisten zusammengestellt, Cassel 1871" und an dieses die überaus werthvolle, ebenso genaue als ausführliche Arbeit des Dr. Engel, welche unter dem Titel: „1 ,,Beiträge zur Statistik des Krieges von 1870-71" im XII. Jahrgange (1872) der Zeitschrift des königl. preussischen-statistischen Bureaus" erschien, und die Verluste nach Chargen, Truppentheilen und Affairen geordnet brachte. Man hatte daher wohl schon Werke, in welchen die Grösse der deutschen Verluste 1870-71 nach Zeit, Ort und Raum gemessen wurde; eine Statistik jedoch, welche die Art und Schwere der Verluste in diesem Kriege nach deren Genesis veranschaulichte, war bis zum Erscheinen von Dr. Fischer's gediegener Arbeit1) nicht bekannt. Dies veranlasst uns, dieser Art statistischer Darstellung einige nähere Aufmerksamkeit zu widmen.

Der erste Gedanke hiezu wurde in Fischer schon zur Zeit des Krieges selbst rege, wo er während seiner Verwendung im „Central-NachweisungsBureau für verwundete und kranke Krieger" das reiche Material, das zur Verfassung der Verlustlisten diente, zur Verfügung hatte. Dasselbe wurde durch die später erschienenen Nachträge richtiggestellt und vom Autor mit wahrem Bienenfleisse bearbeitet, da mehr als 65.000 Fälle von Blessuren und Tödtungen oft acht- bis zehnmal eingereiht werden mussten. In 23.000 Fällen lagen dagegen die Angaben nicht in gleicher Ausführlichkeit vor, was nebst dem Umstande,

1) Statistik der im Kriege 1870-71 im preussischen Heere und in den mit demselben im engeren Verbande gestandenen norddeutschen Bundes-Contingenten vorgekommenen Verwundungen und Tödtungen. Von G. Fischer, Rechnungsrath. Berlin 1876. Decker.

dass der Arbeit eine Ausdehnung auf das gesammte deutsche Heer nicht gegeben werden konnte, bedauern lässt, in diesen überaus mühevollen und sorgfältigen Zusammenstellungen doch keine umfassende, vollkommen genaue Statistik der deutschen Verluste im Kriege 1870-71 zu besitzen. Immerhin liefern sie jedoch einen sehr werthvollen Beitrag zu derselben, da uns die Verluste der Truppen des norddeutschen Bundes, mit Ausschluss des XII. (sächsischen) Armee-Corps, soweit als dies nach den vorhandenen Daten möglich war, veranschaulicht werden.

Die hier befolgte Methode sondert die Verwundungen nach Intensität (sofort getödtet, schwer, leicht, schlechthin als verwundet genannt), nach Chargen, Waffengattungen, nach den beim Truppentheil Verbliebenen, in Pflege Uebergebenen, nach dem Sitze (Körpertheil in 62 Unterabtheilungen), nach den die Verletzung veranlassenden feindlichen Waffen im Allgemeinen, dann unter Berücksichtigung der davon betroffenen Waffengattungen; alles dies in absoluten und relativen Zahlen; endlich wird der Multiplicität der Blessuren, der häufigsten Verwundungen einzelner Körpertheile bei einigen Regimentern und der durch Unglücksfälle herbeigeführten Verletzungen gedacht.

Wir müssen uns natürlich, ohne in die zahlreichen Details der Tabelle eingehen zu können, auf Wiedergabe einiger der interessantesten Daten beschränken.

Die Gesammtverluste im preussischen Heere und in den mit demselben im engeren Verbande gestandenen norddeutschen Bundes-Contingenten im Feldzuge 1870-71 betrugen 88.877 Mann, nämlich: 4668 Officiere (inclusive Fähnriche, Vice-Feldwebel, Aerzte, Zahlmeister) und 84.209 Mann.

Was die Intensität betrifft, vertheilen sich die Verluste wie folgt:
Es wurden von den Verwundeten :

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Officiere

Mannschaft

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Die bei Weitem zahlreichsten Verletzungen und Tödtungen rührten hiernach von Gewehrschüssen her; sehr erheblich geringer ist das Verhältniss der Beschädigungen durch Granaten, und einen noch viel geringeren Percentsatz bilden die durch Hieb- und Stichwunden Verletzten.

Es illustrirt das so recht, wie sehr die Nahwaffen, die doch im Alterthum und Mittelalter eine Hauptrolle gespielt, nun in den Hintergrund gedrängt wurden, und ist nur zu bedauern, dass nicht auch aus mehreren früheren Kriegen verlässliche Daten dieser Art vorliegen.

595

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0.9%

340

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0·6%

263

0.4%

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2.598

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4·0%

Im Feldzuge 1866 betrugen die Verwundungen im preussischen Heere nach dem „Militär-Wochenblatt" pro 1867, Seite 244, bei 13.202 Fällen, in denen die Art der Blessur angegeben war, durch:

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Würden bei den vorstehenden Angaben über 1870-71 nicht 4 Percent zur Richtigstellung der die Verletzung veranlassenden Ursachen abgehen, so könnten interessante Vergleiche zwischen diesen beiden Kriegen angestellt werden. Jedenfalls resultiren daraus die Vortheile, welche der Hinterlader bietet, sowie die häufigere Verwendung oder grössere Wirksamkeit der österreichischen Artillerie.

Fasst man die erlittenen Verwundungen mit Rücksicht auf die veranlassende Waffe nach Waffengattungen zusammen, so ergibt sich, dass die Infanterie am meisten (89-2 Percent), zunächst dieser die höheren Stäbe und die Cavalerie (77.9 respective 755 Percent) durch Gewehrschüsse zu leiden. hatten. Die Wirkungen der feindlichen Granaten waren am verheerendsten bei der Artillerie und den Pionnieren (30'6 respective 27.4 Percent).

Einen namhaften Percentsatz bilden gegenüber den übrigen Truppengattungen bei der Cavalerie die durch Säbelhiebe (62 Percent) und durch Bajonnet- respective Lanzenstiche (11.3 Percent) erlittenen Verletzungen. Dagegen hatte die Cavalerie nur geringe Verluste in Folge Verwundung durch Granatsplitter zu verzeichnen (4.6 Percent). An dem eingangs erwähnten Gesammtverlust per 88.877 Combattanten participiren die höheren Stäbe mit 01, die Infanterie mit 90'8, die Cavalerie mit 3.5, die Artillerie mit 52, die Pionniere mit 04 Percent. Da nach einer Zusammenstellung des Hauptmanns Freiherrn v. Fircks die Infanterie 808 Percent der zum Gefechte bestimmten Truppen des deutschen Heeres ausmacht, so ergibt sich, dass sie die am meisten von Verlusten betroffene Waffengattung ist.

Nach den Körpertheilen entfallen die meisten Blessuren (circa 17.4 Percent) auf den Kopf, sodann folgt Arm mit 13.7, Oberschenkel mit 105, Brust mit 88, Hand mit 81, Fuss mit 6:3 Percent u. s. f. in absteigender Linie Schulter, Bein, Unterleib, Unterschenkel, Seite, Knie, Rücken, Hals, Finger, Wade, Gesäss, Hacken und Zehen, endlich Genitalien.

Was die Multiplicität der Verwundungen betrifft, so ergibt sich, dass von 64.877 (oder rund 65.000) Blessirten, nur 5984 (oder rund 6000) eine mehr als einmalige Verletzung davontrugen, dass also immer erst der zehnte bis eilfte Blessirte mehr als eine Wunde aufzuweisen hat.

Während der Percentsatz der nur einmal Verwundeten bei den Mannschaften um 64 sich höher beläuft als bei den Officieren, zeigt sich das umgekehrte Verhältniss bei den mehrfachen Verwundungen, und waren beispielsweise 488 Officiere (12.5 Percent), und 4612 Mann (7.6 Percent) zweimal verwundet. Ein Officier hatte sogar 34 Verwundungen.

Den Waffengattungen nach erscheint die grösste Multiplicität der Verwundungen bei der Cavalerie und dieser zunächst bei der Artillerie vorherrschend.

Organ der milit.-wissenschaftl. Vereine. XV Bd. 1877.

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