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will vor Allem angeben, wie diese falsche Gestalt der Sohle den Fuss krank machen muss.

Der Druck des Oberleders trifft zunächst die kleine Zehe und bringt sie in eine von vorne nach hinten gekrümmte Lage, in welcher sie nicht nur den Druck des Oberleders, sondern auch jenen der grossen Querfalte an der Wurzel der Zehen auszuhalten hat; die Gelenke derselben werden dadurch entzündet, schmerzhaft und es kann dadurch Verwachsung derselben und bedeutende Störung im Gebrauche des Fusses herbeigeführt werden.

Den grössten und wichtigsten Einfluss hat die unrichtige Gestalt der Sohle auf die grosse Zehe, zunächst auf den Nagel derselben; dieser wird schief gelegt, in die Hautfalte hineingedrängt und es entstehen alle jene Uebel, welche den eingewachsenen Nagel charakterisiren; sie können einen solchen Grad erreichen, dass der Fuss ganz unbrauchbar wird und nur durch eine sehr eingreifende und schmerzhafte Operation beseitigt werden kann.

Durch diesen Druck wird ferner das Gelenk zwischen der grossen Zehe und ihrem Mittelfussknochen seitwärts verbogen (Fig. 6), so dass es eine Hervorragung am inneren Fussrande bildet; beim Gehen wird diese Hervorragung noch stärker hinausgetrieben und gegen das Oberleder gedrängt, zugleich aber durch die Biegung der Zehen die grosse Querfalte des Oberleders gerade an dieser Stelle hineingedrückt werden, wodurch diese Hervorragung an der Wurzel der Zehen einem beständigen Drucke ausgesetzt ist. Es darf nun daher nicht wundern, wenn an diesem Gelenke beständige Entzündungen auftreten, welche schmerzhafte Auftreibungen der Knochen erzeugen, welche durch ihr Hervorragen selbst bei der geringsten Einwirkung auf's neue zu Entzündungen und deren Folgen führen. Diese Anschwellungen werden sehr oft bei völliger Verkennung der bedingten Ursache als Frostbeulen, Gicht bezeichnet und können selbst mit Beinfrass endigen.

Von minderer Bedeutung sind die Leichdorne (Hühneraugen), die harten Schwielen der Haut, jedoch machen sie das Gehen sehr beschwerlich und sind auf einem Marsche gewiss eine unangenehme Zugabe; auch die Entstehung des Plattfusses kann durch eine solche unzweckmässige, unnatürliche Form der Sohle bedingt werden.

Fassen wir dies kurz zusammen, so sind eingewachsene Nägel, entstellende Hervortreibungen an der Wurzel der grossen Zehe, Hühneraugen, Schwielen und Plattfüsse die Folgen einer solchen Fussbekleidung, wie wir sie bis auf den heutigen Tag, von der Mode vorgeschrieben, beobachten können.

Ich habe in meinem Vortrage über die Behandlung dieser Uebelstände gesprochen, glaube aber, mich in diesem Auszuge darauf nicht einlassen zu müssen, sondern will nur angeben, wie die richtige Sohle für jeden Fuss zu zeichnen ist; ist diese richtig, dann sind das Oberleder, der Schluss am Rücken des Fusses nur Nebensachen, denn vor Allem kommt es darauf an, dass die grosse Zehe ihre richtige Lage hat, d. h. dass ihre Mittellinie nach hinten verlängert, in den Mittelpunct der Ferse trifft, was bei allen unseren Schuhen nicht der Fall ist; allerdings sind die Uebelstände um so geringer, je breiter die Sohle vorne ist.

Die Grundlinie für die Zeichnung der ganzen Sohle ist daher eine gerade Linie, in welche man den Mittelpunct der Ferse und der grossen Zehe einträgt (Fig. 7). Es sei diese Linie a b, auf welcher die Länge des Fusses ed aufgetragen wird; von dieser schneidet man die Linie ef ab, welche durch h-g geschnitten wird; die Linie e-f geht von der Spitze der grossen Zehe bis zu der Stelle, wo der Fuss anfängt hohl zu werden, d. h. bis zum hinteren Rande des Ballens der grossen Zehe und beträgt circa 2, der ganzen Fusslänge; die Linie h-g gibt die grösste Breite des Fusses, die Linie f-g soll gut die halbe Breite der grossen Zehe betragen; dann zieht man parallel mit e f die Linie i-g, indem man an dem inneren Endpuncte der Querlinie h-g beginnt, welche die grösste Breite des Fusses bezeichnet.

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Um mit anderen Worten das Gesagte zu wiederholen: Eine Sohle ist dann richtig gezeichnet (Fig. 8), wenn eine Linie e d, welche man um die halbe Breite der grossen Zehe entfernt von dem vorderen Theile des inneren Sohlenrandes mit diesem parallel zieht, in ihrer Fortsetzung den Mittelpunct des Absatzes trifft. Bei der geläufigen Gestalt der Sohlen trifft diese Linie den inneren Rand des Absatzes und die grosse Zehe kann dabei ihre natürliche Lage nicht einnehmen. Stellt man ein Paar Schuhe, die nach diesen Grundsätzen construirt sind, nebeneinander, so dass die Fersen gegenseitig anliegen, so müssen sich die vorderen Endpuncte des inneren Fussrandes ebenfalls gegenseitig berühren (Fig. 9).

Wie man bei bereits verkrüppelten Füssen beim Anmessen der Schuhe vorzugehen habe, glaube ich hier ebenfalls übergehen zu können, da es sich vor Allem darum handelt, dass die hier gegebenen Andeutungen näher gewürdigt und im Detail geprüft werden, um sich vielleicht doch zur Annahme einer zweckmässigen Beschuhung entschliessen zu

können.

Es ist eine sehr gewöhnliche Sitte, bei den Schuhen den Fersentheil durch Auflegen der sogenannten Absätze höher zu stellen, die aber ebenfalls einen grossen Nachtheil haben.

Auf einem hohen Absatze steht die Sohle immer schief, wodurch der Fuss herunterrutschen muss und die Zehen in die Spitze des Fusses hineingedrängt werden; die Gelenke derselben werden allen jenen Nachtheilen und Misshandlungen ausgesetzt, welche zu kurze Schuhe in ihrem Gefolge haben, die natürlich um so grösser sein werden, je unrichtiger die Sohle gestaltet ist; auch die Entstehung des Plattfusses kann dadurch bedingt werden, weil der Absatz schief getreten, der äussere Fussrand gehoben, der innere herabgedrückt und die Bänder, welche den Fuss zusammenhalten, erschlafft werden und das Gewölbe des Fusses seine Spannung verliert. Nach den vielseitigen Mittheilungen militär-ärztlicher Collegen sollen die ungarischen Truppen, welche an ihren Schuhen solche hohe Absätze haben, auf längeren Märschen auch immer mehr Fuss-Marode haben.

Was den Schluss des Fusses durch das Oberleder betrifft, so soll der Schuh am Fussrücken nicht zu enge anschliessen; der Stiefel ist daher nicht zweckmässig, obgleich sich nicht verkennen lässt, dass er beim Waten durch Wasser und Schnee auch seine Vorzüge hat; Schnürstiefel sind deshalb viel zweckmässiger; ebenso elastische Einsätze und Kamaschen.

Ich habe am Schlusse meines Vortrages erwähnt, dass ich mir von demselben keinen praktischen Erfolg verspreche, weil die Anatomie seit Langem vergeblich gegen die unsinnige Mode kämpft und es ihr bis jetzt nicht gelang, die gegen die vorgeschlagene, dem Baue des Fusses entsprechende Bekleidung erhobenen Einwendungen zu entkräften.

Man sagt nämlich, ein solcher Schuh könne nicht elegant sein; elegant hält man gewöhnlich gleichbedeutend mit modern; ich brauche wohl nicht näher auseinander zu setzen, welche unsinnige Kleiderformen vom Hute bis zum Schuhe die Mode durchgesetzt hat; wenn einmal eine grössere Anzahl von Personen solche Schuhe tragen würde, wären sie gewiss sogleich elegant und modern.

Andere sagen, ein solcher Schuh könne nicht elegant sein, weil die Füsse in demselben viel zu sehr nach einwärts stehen; es ist dies aber nur eine Täuschung, denn diese Form allein gestattet dem Fusse die richtige Stellung, während gerade die gewöhnliche Sohlengestalt häufig ein Einwärtssetzen der Fussspitzen nothwendig macht, um die Schmerzen an der Wurzel der grossen Zehe zu vermeiden.

Wieder Andere finden die „krumme Sohle" unschön; ist vielleicht ein verkrüppelter Fuss schöner, als ein natürlich gestalteter, und ein schief getretener Schuh eleganter, als ein gut sitzender?

Andere stossen sich daran, dass die Gestalt eines solchen Schuhes zu „auffallend" sei; auffallend ist jedoch nur das, was selten vorkommt: wird einmal die vorgeschlagene Form allgemein angenommen werden, so wird sie auch aufhören auffallend zu sein; sollte aber selbst dies zugegeben werden, so hat diese Schuhgestalt den Vortheil, dass sie gut sitzt, beim Gehen die grösste Bequemlichkeit bietet, den Fuss gesund und wohlgebildet erhält und selbst einem schon verkrüppelten Fusse die Möglichkeit der Wiederherstellung gewährt.

Ich wurde auf die hier kurz erörterten Verhältnisse durch eine treffliche Schrift des Professors Hermann Mayer in Zürich aufmerksam. dessen Angaben ich dabei folgte, und hatte damit keine andere Absicht, als die hohen Militär-Behörden zu bestimmen, diesen Gegenstand einer eingehenden Prüfung zu würdigen.

Die Fortschritte in der Reorganisation der französischen Armee.

Ist schon der Regenerirungs-Process, dem die französische Armee seit dem letzten unglücklichen Kriege unterzogen wurde, auch deshalb von ganz besonderem Interesse, weil Frankreich mit überraschender, imposanter Schaffungskraft, mit wahrhaft glühendem Patriotismus an die Neugestaltung seines Heerwesens Hand angelegt hat, so erscheint der gegenwärtige Stand der französischen Heeres-Reformen um so beachtenswerther, als die bewegten Zeiten, in denen wir leben, zu einer öfteren Umschau auf diesem Gebiete dringend auffordern.

Es scheint dies auch anderwärts lebhaft empfunden zu werden, denn es beschäftigen sich nicht nur die deutschen Fachblätter und politischen Zeitschriften mehr als je mit den Wehrverhältnissen Frankreichs, sondern auch englische Blätter, wie „Blackwood Magazine", italienische, belgische und Schweizer Zeitschriften behandeln mit Vorliebe diesen Stoff und ergehen sich sehr oft in Betrachtungen über die neuesten französischen HeeresEinrichtungen.

So verschieden aber manche ihrer Angaben und Urtheile über diese oder jene Zustände und Verhältnisse lauten, in dem Einen sind sie alle einig: dass nämlich die französische Armee heute schon als ganz und gar kriegstüchtig und schlagfertig und vollkommen bereit angesehen werden kann, mit einer Armee ersten Ranges den Kampf wieder aufzunehmen.

Es würde sich nun wohl verlohnen, auch hier näher zu untersuchen, welche grössere Früchte die neue französische Wehrverfassung bis nunzu getragen, wie die einzelnen neuen Werke gediehen, und wie weit eigentich die reformatorischen Detail-Arbeiten vorgeschritten sind; aber der uns zugemessene Raum gestattet nicht, auf diese und ähnliche Fragen ausführlich inzugehen, wir können daher hier nur mit wenigen Worten und blos der Hauptsache nach den gegenwärtigen Stand des französischen Heerwesens skizziren.

Die moderne französische Armee hat in ihrem beharrlichen Fortschreiten inen hohen Punct bereits erklommen. Die Truppenstände, sowie sie das Cadre-Gesetz vom Jahre 1875 feststellt, sind in der activen Armee, wie in der Landwehr (Territorial-Armee) nahezu vollständig erreicht, das Wehrgesetz vom Jahre 1872 bietet jetzt schon einen enormen Ueberschuss an Mannschaft, die Reconstruirung des Kriegs-Materiales, namentlich die Neubewaffnung des Heeres und die Verstärkung der Fortificationen des Landes sind diesmal reichlich und glänzend bewirkt, die Armee ist durchgehends

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