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zusammengebracht worden, umfasst eine Anzahl von beiläufig 7000 Blättern, und bildet eine Abtheilung seiner allgemeinen Portraitsammlung, die über 50,000 Nummern stark ist. Ueber diese Sammlungen hat er nun einen Katalog nach Mochsens Muster, oder noch umfassender, angelegt, und zugleich biographische Notizen über die dargestellten Männer gesammelt, welche dem Umfange nach den bei weitem bedeutendsten Theil ausmachen. Vorliegendes Heft enthält den Buchstaben A desselben, und ist besonders desswegen der Oeffentlichkeit übergeben worden, um den Besitzern ähnlicher Sammlungen Kunde von seinem Besitz zu geben, und sie zur Ergänzung und Mittheilung zu veranlassen. Uebrigens soll diese Sammlung in der Familie des Hrn. Vfs. ein Fideicommiss werden, damit das, was er sammelte, nicht verloren gehe, sondern vielmehr nach seinem Tode immer vollständiger werde. Wenn das Erscheinen dieser Publication in der hat keinen weitern Zweck hätte, und keinen weitern Anspruch machte, als den eben angedeuteten, hätte man wohl nicht nöthig, dieselbe einer öffentlichen Prüfung zu unterwerfen. Indess zeigt die ganze Einrichtung des Buches, dass dasselbe keineswegs sich mit dieser untergeordneten Bestimmung begnügt, vielmehr ein Beitrag zur Literärgeschichte der Medicin und Naturwissenschaften sein soll. Ihn als solchen etwas näher zu beleuchten, scheint dem Ref. um so wichtiger zu sein, da das einzige bisher erschienene Heft etwa den 36.-40. Theil des Ganzen bildet, und wir also ein Werk von 6-8 Bänden zum Preise von 20-24 Thlrn, zu erwarten haben, welches natürlicherweise das Erscheinen eines gleichartigen Unternehmens für einige Zeit unmöglich macht. Die Hauptforderungen, die man an ein Werk dieser Gattung stellen darf und muss, sind Reichhaltigkeit des Stoffes, Zuverlässigkeit aller Angaben, und eine planmässige, möglichst klare Einrichtung. Alles Uebrige scheint, diesen Puncten gegenüber, von untergeordneter Wichtigkeit zu sein, wesshalb Ref. sich auf einige Nachweise beschränken will, in wie weit das Werk den genannten Forderungen Genüge leistet. In Bezug auf die Reichhaltigkeit des Stoffes möchte vor allen Dingen zu erinnern sein, dass eine Sammlung von 7000 Portraits nicht bedeutend genug erscheint, um sie zum Gegenstande eines eigenen Werkes zu machen, und dass das letztere bedeutend an Interesse gewonnen haben würde, wenn es sich auf mehrere gleichartige Sammlungen stützte, deren Besitzer sicherlich dem Vf. zu diesem Zweck brauchbare handschriftliche Verzeichnisse zur Verfügung gestellt hätten. Ref. beklagt übrigens, dass sein durch den Buchhandel bezogenes Exemplar die Vorrede (S. I-VI) nicht enthält, die bei andern Exemplaren vorhanden zu sein scheint, so dass er keinen Aufschluss darüber findet, ob der Vf. auch Biographien solcher Männer geben wollte, von denen er keine Bildnisse kennt; aus dem Buche selbst wird diess nicht klar, obgleich die Artikel Sören Abildgaard, Accarius, Accursius,

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Alex. Achilles, Actaeon, Adelon, Aegidi, Ammianus Marcellinus, Amussat, Ancora, Andry, de Angelis, Anschütz, Anthony und zahlreiche andere, bei denen sämmtlich keine Portraits genannt werden, für diese Annahme zu sprechen scheinen. Ist diess aber der Fall, und nicht vielmehr eine durch die planlose Einrichtung des Buches herbeigeführte Zufälligkeit, dann lässt sich auch die ganz unstatthafte Lückenhaftigkeit des Gegebenen nicht verschweigen. Namen wie Ang. Abbene, Charles Abbot, Agardh (Vater und Sohn), Whitelaw Ainslie, Will. Aiton, v. Albertini, C. Allioni, Barthol. und Hyac. Ambrosinus (cf. Fantucci Scritt. Bologn. I. 219), Amici, Joh. und Paul Ammann, Amoreux, H. C. Andrews, Andrzjowski, Luigi Anguillara, Antommarchi, Aublet u. A. durften dann nicht fehlen. So mancher Andere fehlt, von welchem dem Ref. auch Bildnisse bekannt sind; so der edle Florentiner Luigi Alamanni, der verbannt am Hofe Franz I. lebte (geb. 28. Oct. 1495, † XIV. Kal. Maji 1556) dessen vom Grafen Giammaria Mazzuchelli geschriebene Biographie nebst einem Portrait sich vor den meisten Ausgaben seiner Coltivazione, sicher vor der Paduaner von 1718, befindet; so der treffliche C. Amoretti (geb. zu Oneglia 12. März 1741, zu Mailand 24. März 1816), dessen von De Marchi gezeichnetes und von L. Rados gestochenes Portrait sich vor seinem Viaggio da Milano ai tre Laghi Maggiori befindet, und dem der Hr. Graf Henckel von Donnersmarck einen besondern biographischen Artikel in Ersch und Grubers Encyklopädie gewidmet hat. Bei Aristoteles vermisst man den Stich nach dem herrlichen Gemälde von Bezard, welches im Sitzungssaale der medicin. Facultät zu Montpellier hängt; auch die Zahl der Bildnisse Arago's, von denen nur zwei erwähnt sind, dürfte sich namentlich jetzt leicht vervollständigen lassen. Zu den Biographien selbst übergehend, vermisst Ref. unter Andern bei Sören Abildgaard (geb. 1718,

1791) die nothwendigsten Angaben; eine Biographie desselben findet sich in Naglers Künstlerlexikon I. 8. Cav. Gius. Acerbi ist Ende August 1846 zu Castelgoffredo gestorben. Auch über J. H. Alstedius sind keine Nachrichten gegeben. Er war geb. zu Ballersbach im Amte Herborn 1588, und starb als Prof. der Philos. zu Weissenburg in Siebenbürgen 1638. Seine Biographie schrieb Hübener in der Flora 1839 (S. 474). Was nun die so wichtige Zuverlässigkeit der Angaben betrifft, so erlaubt sich Ref., ehe er zu Einzelnheiten übergeht, im Voraus eine Ansicht auszusprechen, der man wohl allseitig beistimmen wird. Jede Biographiensammlung, die aus den verschiedenartigsten lauteren und unlauteren Quellen zusammengestellt wird, sollte nicht nur zu Anfang alle die Werke nennen, deren Angaben vollständig benutzt wurden, so dass cin ferneres Nachschlagen derselben überflüssig wird; sondern man sollte auch bei jeder einzelnen Angabe den Gewährsmann, auf den man sich stützt, nennen, und die abweichenden Daten, sofern sich die Wahrheit nicht mit

Sicherheit ermitteln lässt, zur Vergleichung neben einander stellen. Ein Beispiel: Linné nannte zuerst 1759 in seiner Diss. „,Auctores botanici" den Petersburger Akademiker Joh. Ammann (geb. 1707,

1741) einen Sohn des Leipziger Professors Paul Ammann (geb. 1634, +1690); Dryander, Sprengel, Schultes u. A. haben diess „, Pauli filius“ nachgeschrieben, ohne daran zu denken, dass Joh. A. ein Posthumus von 17 Jahren sein müsste; Haller sagt zuerst: ,, Joh. A., Joh. Conradi filius, Scaphusinus" und Boehmer pflichtet ihm bei. In diesem Falle wäre also die Angabe Hallers als die richtige voranzustellen, und dabei zu erwähnen, dass Linné's Ausspruch auf einem Irrthum beruhe, wodurch die Angaben der Abschreiber von selbst bedeutungslos werden. Von einem solchen Verfahren ist im vorlieg. Buche keine Spur zu finden; höchstens wird dann und wann Pierers Encyklopädie (!!) citirt. So heisst es bei Arnaldus a Villanova:,, geb. 1250, nach Andern 1300, wahrscheinlich 1295"; man erfährt weder wer die Einen, noch wer die Andern sind, auf deren Autorität diese Variante von einem halben Jahrhundert sich stützt; dennoch glaubt der Leser in dem ,, wahrscheinlich 1295" die Annahme zu finden, zu der der Vf. nach eigener Prüfung sich hinneigt. Mit Nichten! einige Zeilen weiter berichtet er als ein feststehendes Factum, dass er im J. 1287 (also acht Jahre vor seiner,,wahrscheinlichen" Geburt) in den Bann gethan wurde, und dass er 1313 durch Schiffbruch ums Leben kam! Mögen noch einige weitere Beispiele ungenauer Behandlungsweise angeführt werden: Bened. Aretius war nicht nur reform. Prediger, sondern auch Prof. der Theol. und der griech. Lit. an der Univ. Bern. Sein Todestag († XI. Kal. Maji 1574) wird schon von Seguier richtig angegeben; mit gleichem Rechte wie die Angabe Pierer's († 1579), konnte Sprengel's Angabe (+ 1578) angeführt werden; jedenfalls mussten E. G. v. Haller's Bibl. der Schweizergesch. II. 128. und der Conservateur suisse V. 468. verglichen und citirt werden. Sein Buch heisst nicht,, Descriptio stirpium brevis ", sondern vielmehr ,,Stockhornii et Nessi Helvetiae montium et nascentium in eis stirpium brevis descriptio"; auch nannten die Botaniker keine Primelart Areta, sondern Linné gab einer Gattung der Primulaceen den Namen Aretia. Diese Berichtigungen sind nöthig zu einer Biographie von sechs Zeilen. Eric Acharius war, nach Wikström, den 10. (nicht 18.) Oct. 1757 geboren, und starb den 14. Aug. 1819. Dass diess während der Untersuchung einer neuen Gattung geschehen, ist willkürlicher Zusatz; allerdings ward er mitten unter den angestrengtesten Forschungen über Lichenen, die er aus Saragossa erhalten, wobei er ganze Stunden lang den Kopf der Sonnenhitze ausgesetzt hatte, vom Schlage getroffen (Kongl. Vetensk. Acad. Handl. 1819. p. 299). Das Portrait ist folgender Weise bezeichnet:,, Auf der Spitze eines Felsens mit Moosen. 8. en profil". Hierbei war zu erwähnen, dass dieses Portrait aus den Synopsis methodica Lichenum, die zu

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Lund 1814 erschien, herrührt; ferner ist die Bezeichnung des Bildes, welches ausserdem den Namen Acharius trägt und mit einem Gewinde der Acharia bekränzt ist, so zu verstehen, dass das Portrait in Medaillonform auf einem Felsen ruht, an dem Flechten und Farrnkräuter wachsen. Die wichtigsten Werke des Acharius, sogar die Lichenographia universalis. Gott. 1814. 4. sind nicht genannt, wie denn durch das ganze Buch in Bezug auf die Anführung der Schriften die grösste Willkürlichkeit herrscht und bald gar keine, bald einige, bald alle genannt werden. In diesem Puncte sollte der Vf. doch über seinen Plan klar werden und entweder auf andere Werke verweisen, oder selbst genügende Nachweisungen geben. Statt dessen findet man die Titel der Bücher, wie schon oben bei Aretius gezeigt wurde, oft gänzlich entstellt. So heisst die lateinische Bearbeitung des Clusius von dem Werke des Christoval (nicht Christoph) Acosta keineswegs ,,De simplicibus et aromatibus Indiarum", sondern vielmehr Aromatum et medicamentorum in orientali India nascentium liber"; sie erschien auch nicht erst 1593, sondern bereits 1582. Bei Santes de Ardoynis, den der Vf. Giov. (Sante) Arduino nennt, heisst es sogar, so unglaublich diess klingen mag,,,schrieb Animadversiones botanicae, mineralogicae, chemicae, metallurg. et oryktogr." Dagegen wird das Opus de venenis mit keiner Sylbe erwähnt, aus dessen Ed. princeps (Venetiis, 1492. Fol.) zu ersehen ist, dass es bereits 1424 - 1426 geschrieben wurde, so dass die Angabe des Vfs.,, praktisirte in der Mitte des 15. Jahrh." wohl präciser gefasst werden konnte. — Allamand ist 1716 (nicht 1706) geboren; Jac. Fid. Ackermann 28. Oct. (nicht 8. Oct.) 1815. Die Angaben über des Ulysses Aldrovandus hinterlassene Handschriften und Sammlungen, die im Archigymnasium zu Bologna aufbewahrt werden, sind nach von Schlechtendals Botan. Zeitung 1843. S. 52 zu berichtigen. Als ein Curiosum muss noch erwähnt werden, dass der Vf. das Buch De virtutibus herbarum" immer noch dem Albertus Magnus zuschreibt; man sieht daraus, dass E. Meyers und Choulants Untersuchungen spurlos an ihm vorübergegangen sind. Ja sogar das Herbarium (und wie alle andern Aufschriften lauten mögen), welches irgend ein unwissender Mönch des 12. Jahrh., den Namen des Lucius Appulejus missbrauchend, verfasste, schreibt Hr. S. ohne Weiteres dem Lucius Appulejus zu. Alfred der Grosse figurirt hier als Botaniker; es wird diess mit besonderem Nachdruck hervorgehoben, so dass eine Pflanze seinen Namen Alfredia führt". Der Vf. übersieht hier dreierlei; erstens, dass in der Geschichte der Botanik nicht die geringste Kunde davon existirt, dass Alfred d. Gr. ein Botaniker war; zweitens, dass die Gattung Alfredia DC. nicht nach ihm, sondern nach dem englischen Bischofe Alfredus, dessen Bücher De naturis rerum von Barthol. de Glanvilla citirt werden, genannt ist; drittens, dass der Umstand,

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dass eine Pflanze den Namen eines Mannes führt, keineswegs beweist, es sei derselbe ein Botaniker. Der Vf. scheint überhaupt über die Regeln, nach denen neuen Pflanzengattungen Namen von Personen beigelegt werden (so wie über die Bedeutung der Worte Geschlecht, Gattung und Art) sehr unklare Vorstellungen haben; so sagt er z. B. bei Acharius:,,Einem ganzen Pflanzengeschlechte gaben die Botaniker den Namen Acharia, und so auch mehreren einzelnen Pflanzen. Die Gattung Alstroemeria nannte Linné nicht nach Jonas, sondern zunächst nach dem Baron Clas Alstroemer; sie bewahrt indess das Andenken an den Vater und die drei Söhne, die alle hochverdiente Männer waren. Die Pflanze, welche an den Namen des Achilles erinnert, heisst bekanntlich nicht Millefolium Achillea. Um Adansons wissenschaftliche Bedeutung für die Conchyliologie klar zu machen, heisst es:,,Seine Forschungen waren nicht

wa nur oberflächlich, sondern er öffnete z. B. auch die Schalen der Muscheln, um ihre Bewohner genau beschreiben zu können". — Zum Schluss noch ein Wort über die Einrichtung und den Plan des Werkes. Ref. kann nicht sagen, ob sich der Vf. selbst darüber ausgesprochen hat, will aber in jedem Falle zugeben, dass feste Regeln über die Zulassung oder Ausschliessung nicht wohl aufgestellt werden können, sondern dass diess besser dem Tact und Geschmack des Herausgebers überlassen bleibt. Für die ältere Zeit scheint dem Ref. namentlich die Aufnahme der Mäcene gar wohl passend, und er billigt desshalb die Anführung Alexanders von Macedonien, des Alfonso Albuquerque, der Anna Comnena u. And.; für unsere Zeiten, in denen die Wissenschaft eine Macht geworden ist, die jeder Gebildete anerkennen muss, ist diess bereits komisch geworden. So wird aufgeführt ein Prinz Georg von Anhalt, ohne Biographie, ohne Portrait, nur mit der Bemerkung: „Hier aufgeführt, weil er so viel Kenntnisse im Medicinischen und Naturhistorischen besass, dass er sich gern darüber mit den erfahrensten Männern dieser Fächer unterhielt". Jeanne d'Arc ist hier,,,weil sie zu Lagni ein todtes Kind erweckt haben soll", aber ihre Portraits sind, trotzdem dass der Vf. sehr viele besitzt, nicht verzeichnet. Aristophanes kommt unter die Aerzte und Naturforscher, weil sein Lustspiel,, die Vögel" für den Ornithologen interessant ist. Der Jurist Amthor wird zum Botaniker gestempelt, weil Haller von seinem Werke sagt: ,,etiam agriculturam comprehendit". Diese Verwirrung ist wirklich ziemlich allgemein, so dass der heilige Ambrosius, Jupiter Ammon, ein Bauchredner, Aspasia, Ammianus Marcellinus, Amor als Entzünder der Liebe alle ihren Platz in dieser Versammlung von Aerzten und Naturforscher gefunden haben. P.

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[2164] Allgemeine Literaturgeschichte. Von Thd. Mundt. 2., verb. u. verm. Ausg. 1.-12. Lief. Berlin, Simion. 1848. 1. Bd. X u. 399 S. 2. Bd. S. I-432. gr. 8. (à 7% Ngr.)

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