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mitten unter seine Brüder!*).... Ich will nicht lange und eingehend bei der großen Zahl von Stußern, Musikern, Dichtern, Politikern verweilen, die durch eine solche Reform der Welt zurü&gegeben würden. Sogar ich selbst, der Verfaffer dieser wichtigen Wahrheiten, bin dafür ein Beleg; ich bin eine Person, deren Einbildungskraft hartmäulig ist und eine außerordentliche Neigung zeigt, mit meiner Vernunft durchzugehen, die, wie ich in langer Erfahrung beobachtet habe, ein sehr schlechter Reiter ist, den man leicht abwerfen kann, woher es auch tommt, daß meine Freunde mich nie allein lassen wollen, ohne das feierliche Versprechen, meinem Speculationen in dieser oder ähnlicher Weise zum allgemeinen Nußen der Menschheit freien Lauf zu lassen."**)

Der Unglückliche, der sich selbst fennt und verspottet! Welch wahnsinniges Gelächter und welches Shluchzen in dieser rauhen Lustigfeit! Was bleibt ihm Anderes übrig, als auch den Rest des geisti

*) Die folgenden Beschreibungen fann man nidt übersegen.

**) Is any student tearing his straw in piece-meal, swearing and blaspheming, biting his grate, foaming at the mouth, and emptying his piss-pot in the spectator's faces? Let the right worshipfull commissioners of inspection give him a regiment of dragoons, and send him into Flanders among the rest .... You will find a third taking gravely the dimensions of his kennel; a person of foresight and insight, though kept quite in the dark , ... He walks duly in one pace .... talks much of hard times and taxes and the whore of Babylon, bars up the wooden window of his cell constantly at eight o'clock, dreams of fire .... Now what a figure would all those acquirements make if the owner were sent into the city among his brethren!... Accost the hole of another kennel (first stopping your nose), you will behold a surly, gloomy, nasty, slovenly mortal, raking in his own dung, and dabbling in his urine; the best parts of his diet is the reversion of his own ordure, whichs, expiring into steams, whirls perpetually about, and at last reinfunds. His complexion is of a dirty yellow, with a thin scattered beard, exactly agreeable to that of his diet upon its first declination; like other insects who having their birth and education in a excrement, from thence borrow their colour and their smell .... Now is it not amazing the society of Warwick-lane should have no more concern for the recovery of so useful a member? .... I shall not descend so minutely, as to insist upon the vast number of beaux, fiddlers, poets, and politicians, that the world might recover by such a reformation .... Even I myself, the author of these momentous truths, am a person whose imaginations are hard-mouthed, and exceedingly disposed to run away with his reason, which I have observed from long experience to be a very light rider, and easily shaken off; upon which account my friends will never trust me

lone, without a solemn promise to vent my speculations in this or the like manner, for the universal benefit of mankind.

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gen Schaffens der Menschen zu erwürgen? Wer sieht hier nicht die Verzweiflung, aus der die Academie von Laputa hervorging? Liegt nicht ein Vorgeschmack des Wahnsinnes in diesem intensiven Denken des Absurden? Hier sein Mathematiker, der, um die Geometrie zu lehren, seine Schüler Waffeln verschlucken läßt, auf die er seine Lehrjäße geschrieben hat; dort sein Moralist, der, um die po(itischen Parteien zu versöhnen, den Vorschlag macht, das Gehirn eines jeden Gegners zu spalten und die Hälfte des einen mit der Hälfte des anderen auszutauschen; dann sein Nationalöconom, der aus den menschlichen Ercrementen die ursprüngliche Nahrung wieder zu ertrahiren sucht! Swift hat seine Zelle neben ihnen, und er ist von Allen der elendeste, denn er nährt, wie sie, seinen Geist mit Scmuß und Verrücktheit, und er hat noch obendrein das Bewußtsein davon und den Abscheu davor.

Wenn es schon traurig ist, menschliche Thorheit zu zeigen, jo ist es noch trauriger, menschliche Entartung zu zeigen: das Herz steht uns viel näher als der Verstand; es schmerzt uns weniger, wenn wir Ueberspanntheit oder Thorheit, als wenn wir Bosheit oder Gemeinheit sehen, und ich finde Swift anmuthiger in seinem Tale of a Tub als im Gulliver.

In diesem Buche hat er sein ganzes Talent und alle seine Leidenschaften concentrirt; der positive Geist hat diesem seine Form und seine Kraft aufgeprägt. Man findet nichts liebliches, weder in der Dichtung noch im Stile; es ist wie das Tagebuch eines gewöhnlichen Mannes, eines Arztes, eines Capitains, der kaltblütig und verständlich die Ereignisse und Dinge beschreibt, die er eben erlebt und gesehen hat; nirgends ein Sinn für das Schöne, ein Schein der Bewunderung und der Leidenschaft, ein warmer Ton. Banks und 'Cook erzählen ebenso. Swift sucht nur das Wahrscheinliche, und er erreicht es. Seine Kunst besteht darin, daß er eine abjurde Vorausseßung her: nimmt und ernst die Folgen ableitet, zu welchen sie führt. Es ist der logische und technische Verstand eines Mechanikus, der sich die Verkleinerung oder Vergrößerung eines Räderwerksvorstellt und das Resultat dieser Veränderung berechnet und aufzeichnet. Sein einziges Vergnügen besteht darin, dieje Folgen durch sicheres Denken klar zu

erkennen. Er gibt als ein guter Ingenieur und Statistiker Dimensionen und dergleichen an; er läßt keinį triviales und positives Detail weg, er, erklärt die Küche, den Stall, die Politik: De Foe ausgenommen, kommt ihm darin Niemand gleich. Der Magnet der fliegenden Insel, der Transport Gulliver's nach Lilliput, jeine Ankunft und seine Ernährung bei den Pferden machen Illusion; kein Geist hat besser die gewöhnlichen Gesebe der Natur und des menschlichen Lebens gekannt, kein Geist hat sich so fest in diese Kenntnisse eingeschlossen; keiner war jemals genauer oder beschränkter.

Aber welche Leidenschaftlichkeit ist unter dieser Trockenheit verborgen! Wie lächerlich erscheinen unsere Interessen und Leidenschaften, erniedrigt zu der Kleinheit von Lilliput oder verglichen mit der Üngeheuerlichkeit von Brobdignag. Was ist die Schönheit, wenn der schönste Körper, mit durchbohreitden Augen betrachtet, häßlich erscheint ? Was ist unsere Macht, wenn ein Insect, der König eines Ameisenhaufens, sich wie unsere Fürsten, „erhabene Majestät, Wonne und Schrecken des Weltals“ nennen lassen kann? Was sind unsere Huldigungen werth, wenn ein Pygmaee, „der nur um eines Nagels Breite höher ist als die anderen", ihnen dadurch allein Furcht und Respekt einflößt? Drei Viertel unserer Gefühle jind Thorheiten, und die Stumpfheit unserer Organe ist die einzige Ursache unserer Verehrung oder unserer Liebe.

Die Sejelschaft ist noch abschreckender als der Mensch. In Laputa, in Lilliput, bei den Pferden, bei den Riesen, überall zeigt Swift seine Erbitterung gegen dieselbe und niemals wird er müde, sie zu verunglimpfen und zu erniedrigen. In seinen Augen sind Unwissenheit, Trägheit, Lasterhaftigkeit die unterscheidenden Merkmale und Eigenschaften 'eines Gefeßgebers; die Gesetze werden am Besten von denen erklärt, interpretirt und angewendet, die die Fähigkeit und ein Interesse haben, sie zu verdrehen, zu verwirren und zu umgehen." Ein Adliger ist ein an Leib und Seele zerrütteter Schuft, der in sich alle Krankheiten und alle Laster vereinigt, welche durch zehn Generationen von Wüstlingen und Schurken sich auf ihn fortgepflanzt haben. Ein Rechtsgelehrter ist ein gedungener Lügner, der durch eine zwanzigjährige Uebung in allen Kniffen bewandert und gewöhnt ist,

die Wahrheit zu verdrehen, wenn er ein Advocat, sie zu verkaufen, wenn er ein Richter ist. Ein Minister ist ein Kuppler, der, nachdem er seine Frau prostituirt und für das öffentliche Wohl geschrien und geeifert, sich zum Herren aller Stellen gemacht hat und der, um besser das Geld der Nation stehlen zu können, die Deputirten mit dem Selbe der Nation erkauft. Ein Fürst ist ein Mann, der sich auf alle Laster versteht, der einen ehrlichen Mann zu lieben oder zu gebrauchen unfähig, aber ,,fest überzeugt ist, daß sein Thron ohne Corruption nicht bestehen kann, weil jene fühne, unlenksame und stolze Gesinnung, welche die Tugend dem Menschen einflößt, für die Staatsgeschäfte ein fortwährender Hemmschuh ist.“ In Lilliput macht er dies jenigen zu Ministern, die am Besten auf dem Seile tanzen können. In Laputa nöthigt er Alle, die vor ihm erscheinen, auf dem Bauche zu friechen und den Staub des Fußbodens zu lecken.

„Wenn der König einen seiner Edlen auf eine milde und nach sichtige Weise zum Tode verurtheilen will, so läßt er den Fußboden mit einem braunen Giftpulver bestreuen, das Jedem, der es aufgeleckt hat, unfehlbar in vierundzwanzig Stunden den Tod bringt. Um jedoch der großen Milde dieses Fürsten und der Besorgnis, die er für das Leben seiner Unterthanen hegt, (worin ihm die Fürsten Europas wohl nachahmen sollten) Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, darf es zu seiner Ehre nicht unerwähnt bleiben, daß strenge Befehle gegeben sind, nach jeder solchen Execution den vergifteten Theil des Fußbodens ordentlich zu waschen.

.... Ich selbft hörte ihn einmal den Befehl ertheilen, einen seiner Pagen durchs zupeitschen, der diesmal beauftragt worden war, den Fußboden waschen zu lassen, der aber boshafter Weise diesen Auftrag nicht ausgeführt hatte. Durch diese Nachlässigkeit war unglüdlicherweise ein junger, zu den größten Hoffnungen berechtigender vornehmer Herr, der zu einer Audienz tam, vergiftet worden, obgleich der Fürst diesmal keinen Anschlag gegen sein Leben gefaßt hatte; der gute Fürft war jedoch so gnädig, dem armen Pagen die Strafe zu erTassen auf das Versprechen hin, nie wieder so obne speciellen Bes febt zu handeln."*)

*) When the king has a mind to put any of his nobles to death in a gentle, indulgent manner, he commands the floor to be strewed with a certain brown powder of a deadly composition, which being licked up, infallibly kills him in twenty-four hours. But in justice to this prince's great clemency and the care he has of his subjects lives (wherein it were much to be wished that the monarchs of Europe would imitate him) it must be mentioned for his honour that strict orders are given to have the infected parts of the floor well washed after every such execution .... I myself

Alle diese Erdichtungen von Riesen, Pygmaeen, fliegenden Inseln sind Mittel, die menschliche Natur der Schleier zu berauben, mit denen Gewohnheit und Einbildungskraft sie bedecken, um sie in ihrer Wirklichkeit und Häßlichkeit zu zeigen. Es bleibt noch eine Hülle zu entfernen übrig, die trügerischste, die intimste. Man muß jenen äußeren Schein der Vernunft wegnehmen, in den wir uns einhüllen. Man muß die Wissenschaften und Künste, die gesellschaftlichen Verbindungen und industriellen Erfindungen unterdrücken, deren Glanz uns blendet. Man muß den Yahoo im Menschen entdecken. Welch ein Anblick!

„Ich sah mehrere Thiere auf einem Felde, und eins oder, zwei von derselben Art auf Bäumen fiben. Ihre Gestalt war seltsam und häßlich ..... Ropf und Bruft waren mit didem Haar bedeckt, bei den einen gefräuselt, bei den anderen glatt; sie hatten Bärte, wie die Ziegen, und einen langen Haarstreifen länge des Nüđens, und vorn an den Füßen und Beinen; der übrige Körper aber war nadt, so daß man ihre braune, lederfarbige Haut sehen konnte *)..... Sie kletterten ebenso behend wie die Eichhörnchen auf hohe Bäume, denn sie hatten an den Vorder- und Hinterfüßen starke, lange Klauen mit spitzen gebogenen

Die Weibchen hatten langes, schlichtes Haar auf dem Kopje, aber nicht im Gesicht, und der übrige Körper war nur mit einer Art Flaum. bededt ... Ihre Brüste bingen zwischen ihren Vorderfüßen und berührten oft, wenn sie sich bewegten, die Erde. Ueberhaupt sah ich auf allen meinen Reisen kein so widerliches Thier, gegen das ich instinctiv eine so große Antipathie gefaßt hätte."'**)

Krallen .....

heard him give directions that one of his pages should be whipped, whose turn it was to give notice about washing the floor after an execution, but who maliciously had omitted it; by which neglect, a young lord of great hopes coming to an audience, was unfortunately poisoned, although the prince at that time had no design against his life. But this good prince was so gracious as to forgive the poor page his whipping, upon promise that he would do so no more, without special orders.

*) Ich bin genöthigt, Einiges wegzulassen.

**) At last I beheld several animals in a field, and one or two of the same kind sitting in trees. Their shape was very singular and deformed. ... Their heads and breasts were covered with a thick hair, somme frizzled, and others lank. They had beards like goats, and a long ridge of hair behind their back, and the forepart of their legs and feet. But the rest of the body was bare so that I might see their skins, which were of a brown buff colour. They had no tails, nor any hair at all on their buttocks, except about the anus .... They climbed high trees as nimbly as a squirrel, for they had strong extended claws before and behind, terminated in sharp

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