Page images
PDF
EPUB

Kriegszeiten mehr dem Könige, in Friedenszeiten mehr dem Volke nachgebend und beide am Uebertreten und Vertrocknen hindernd.*)

Diese ernste Unterhaltung verräth einen durch das Schauspiel der Staatsangelegenheiten genährten, politischen Geist, der in öffentlichen und praktischen Debatten die Superiorität besigt, die den Fran= 30sen in den speculativen Dissertationen und gesellschaftlichen UnterHaltungen eignet. So bricht mitten in seiner trockenen Polemik ein plötlicher Glanz hervor, ein poetischer Strahl, ein Gebet, das aus der Tiefe des Herzens aufsteigt; die englische Quelle verhaltener Leidenschaft hat sich plößlich wieder geöffnet, mit breitem, gewaltigem Flusse, den man sonst bei Dryden nicht antrifft.

*) How bless'd is he who leads a country life,
Unvex'd with anxious cares, and void of strife!

With crowds attended of your ancient race,
You seek the champaign sports or sylvan chase:
With well-breath'd beagles you surround the wood,
E’en then industrious of the common good;
And often have you brought the wily fox
To suffer for the firstlings of the flocks;
Chas'd e'en amid the folds, and made to bleed,
Like felons where they did the murderous deed.
This fiery game your active youth maintain'd,
Not yet by years extinguish’d, though restrain'd....
A patriot both the king and country serves,
Prerogative and privilege preserves;
Of each our laws the certain limit show;
One must not ebb, nor t’other overflow:
Betwixt the prince and parliament we stand,
The barriers of the state on either hand;
May neither overflow, for then they drown the land.
When both are full they feed our bless'd abode,
Like those that water'd once the Paradise of God.

Some overpoise of sway, by turns, they share;
In peace the people, and the prince in war:
Consuls of moderate power in calms were made;
When the Gauls came, one sole Dictator sway'd.

Patriots in peace assert the people's right,
With noble stubbornness resisting might;
No lawless mandates from the court receive,
Nor lend by force, but in a body give.

(Epistle XV.)

,,Trüb, wie des Monde, der Stern' erborgter Schein
Dem müden Wandrer, der verirrt, aligin;
Wie Bliße zuckend nur das Himmelszelt
Erleuchten grell, doch unten nicht die Welt:
So die Vernunft der Seel'; ihr mattes Licht
Erhellt den ungewissen Pfad uns nicht,
Führt uns nur hin wo schönrer Tag anbricht.
Und wie der Abendkerzen Glanz erbleicht,
Wenn strahlend sich die Sonn' im Osten zeigt,
So bleicht Vernunft beim überird'ichen Glanz
Der Religion, erstirbt und dwinbet ganz."'*)

„Barmherziger Gott! wie gnädig sendest Du
Dem Jrrthum einen fichren Führer zu!
Dein Thron ist unergründlich tief im Licht,
Den Feuerglanz erträgt das Auge nicht.
Lehr' glauben mich, verborgen stets Du warst,
Und suchen nur, wie Du Dich offenbarst;
Ich nehme sie als Leitstern nur allein,
Ich, der von Dir jou nie verlassen sein...."**)

*) Dim as the borrow'd beams of moon and stars

To lonely, weary, wand'ring travellers,
Is reason to the soul: and as on high
Those rolling fires discover but the sky,
· Nor light us here; so Reason's glimm’ring ray
Was lent, not to assure our doubtful way,
But guide us upward to a better day.
And as those nightly tapers disappear
When day's bright lord ascends our hemisphere;
So pale grows Reason at Religion's sight,

So dies, and so dissolves in supernatural light. **) Religio Laici, Hind and Panther.

But, gracious God! how well dost thou provide
For erring judgments an unerring guide!
Thy throne is darkness in th’abyss of light,
A blaze of glory that forbids the sight.
O teach me to believe thee thus coaceald,
And search no farther than thyself reveal'd;
But her alone for my director take,
Whom thou hast promised never to forsake!
My thoughtless youth was wing'd with vain desires,
My manhood, long misled by wandering fires,
Follow'd false lights, and when their glimpse was gone,

Das ist die Poesie dieser ernsten Gemüther. Nach langen Verirrungen in der Ausschweifung und dem äußern Prunk der Restauration fand Dryden den Weg in die ernsten Regungen des innerlichen Lebens; obgleich Katholik, fühlte er wie ein Protestant das Elend der Menschen und die Gegenwart der Gnade; er war des Enthusiasmus fähig. Dann und wann offenbart ein männlicher, kraftvoller Vers mitten in seinen Raisonnements die Macht der Conception und die Glut der Leidenschaft. Wenn etwas Tragisches vorkommt, jo betrachtet er es als sein eigentliches Gebiet; wenn nöthig, wühlt er im Schaurigen. Er hat die höllische Jagd und die Qualen des von Hunden zerrissenen jungen Mädchens mit der wilden Kraft eines Milton beschrieben *). Dagegen ist er ein Freund der Natur, für welche man in England stets Sinn gehabt hat; die düsteren Gedanken und Leidenschaften legen sich in dem weiten Frieden und der Harmonie der freien Natur. Mitten in den theologischen Disputationen treffen wir auf landschaftliche Schilderungen!

. Und neue Blumen sprießen frisuh hervor,
Als wenn Gott selbst durchwandernd die Natur,
Das Jahr umformend hier ließ seine Spur.
Die sonnigen Hügel in der Ferne glühn
In hellem Glanz, und auf der Wiese grün
Des klaren Baches Wellen golden sprühit,
Zuletzt hört man des Kukuks laut Geschrei
Verkünden, daß des Frühlings Festtag fei**).

My pride struck out new sparkles of her own.
Such was I; such by nature still I am;
Be thine the glory, and be mine the shame!
Good life be now my task; my doubts are done.

*) Theodore and Honoria.
**) New blossoms flourish and new flowers arise,

As God had been abroad, and, walking there,
Had left his footsteps and reformid the year.
The sunny hills from far were seen to glow
With glitt'ring beams, and in the meads below
The burnish'd brooks appear’d with gold to flow.
As last they heard the foolish cuckoo
Whose note proclaim'd the holyday of spring.

Unter seinen regelmäßigen Versen wird man die Künstlerseele gewahr*); obgleich eingeengt durch die Gewohnheiten classischen Raisonnements, obgleich steif und gezwungen durch Polemik und Controverjen, obgleich unvermögend, Charaktere zu schaffen oder natürliche, feine Gefühle zu schildern, bleibt er doch ein wahrer Dichter; er wird erregt, gehoben durch schöne Töne und schöne Formen; er schreibt fühn unter dem Drucke gewaltiger Ideen, er umgibt sich gern mit glänzenden Bildern; er wird bewegt durch ihren summenden Schwarm, durch ihren schillernden Glanz; er ist, wenn er will, ein Musiker und Dichter; er schreibt Bravourarien, die alle Sinne erschüttern, wenn sie auch nicht zu Herzen gehen. So ist sein „Alexander's Feast“, eine Ode zu Ehren des St. Caecilientages, eine bewunderungswürdige Fanfare, wo Metrum und Ton die Erregungen des Geistes den Nerven mittheilen, ein Meisterwerk der Begeisterung und Kunst, das allein Victor Hugo wieder erreicht hat **). Alexander sitzt auf seinem Thron in dem Balaste von Persepolis, die in Schönheit strahlende Thais neben ihm, vor ihm in der weiten Halle seine ruhmreichen Feldherrn. Und Timotheus singt: er besingt den Bacchus:

„Des Bacchus Lob stimmt nun der süße Künstler an;
Des Bacchus, ewig schön und ewig jung.
Der frohe Gott kommt im Triumph.
Tönt, Trompeten! Cymbeln, klingt!

Im schönsten Purpur glüht

Sein lächelnd Angesicht.
Schallmeien, hallet laut, er fommt, er kommt!"
Bacchus ewig jung und schön,
Lebret uns des Weines Lust;
Bacchus Gaben sind ein Schatz uns,
Trinken ist des Kriegers Labsal.

*) For her the weeping heaven become serene,

For her the ground is clad in cheerful green,
For her the nightingales are taught to sing,
And nature for her has delayed the spring.

(The Hind and the Panther III. 553). Diese anmuthigen Verse an die Herzogin von York erinnern an die Lafontaine's an die Prinzessin Conti.

**) 3. B. in seinem „Chant du Cirque“. Taine, Geld. der engl. Literatur. II.

13

Reich der Schaß ist,

Süß das Labjal,

Süß das Labsal nad dem Streit“**). Und bei diesen schwungvollen Tönen wird der König erregt; seine Wangen glühen, er gedenkt seiner Schlachten und fordert Himmel und Erde heraus. Da besänftigt ihn ein Trauerlied: Timotheus beklagt den Tod des verrathenen Darius. Dann stimmt ihn ein lieblicher Gefang weich: Timotheus feiert die Liebe und strahlende Schönheit der Thais. Plöglich schlägt er wieder mächtig die Saiten:

,,Ersdale, goldnes Saitenspiel,
Und lauter noch und noch mit lautrem Ton.
Brich die Bande seines Schlummers
Und weď ihn mit des Donners laut Getöse.
Horch, Horch! Der Schređenslaut

fat ihn aufgedredt,

Er erwacht vom Grab,
Und er staunt und starrt umher.
Gib Rach'! Gib Rad'! Timotheus ruft,

Sieh die Furie naht;
Sieh die Schlang’ um den Schlaf,

Wie sie rollt, wie sie zischt!
Wie die Flamme den Augen entfährt!

Ha! welch' bleiche Schaar!

Schwingt den Brand in der Faust!
Ihr Geister des Heeres, auf dem Blutfeld erwürgt

Und des Grabes beraubt,
Ihr klagt uns eure Schmach,

*) The praise of Bacchus then the sweet musician sung,

Of Bacchus, ever fair and ever young.
The jolly god in triumph comes;
Sound the trumpets, beat the drums.

Flush'd with a purple grace,

He shows his honest face.
Now give the hautboys breath; he comes! he comes

Bacchus! ever fair and young,
Drinking joys did first ordain;
Bacchus' blessings are a treasure,
Drinking is the soldiers's pleasure;

Rich the treasure,

Sweet the pleasure;
Sweet is pleasure after pain.

« PreviousContinue »