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jammeln; man kommt nicht aus ohne faufmännische Vorsicht und solidbürgerliche Berechnung. Wenn man zu oft soupirt, wird mit jchließlich nicht mehr diniren können, wenn die Taschen ein Loch haben, fallen die Thaler heraus; das ist trivial, aber wahr. Sheridan's Schulden häuften sich, der Magen verdaute nicht mehr. Er verlor seinen Sitz im Parlamente, sein Theater brannte ab. Ein Grecutor löste den anderen ab, und das Gericht hatte längst sein Haus mit Beschlag belegt. Schließlich verhaftete ihn ein Gerichtsdiener auf seinem Sterbelager, wollte ihn in seinen Betten mit fortnehmen und stand nur aus Furcht vor einem Prozesse davon ab: der Doctor hatte er: klärt, daß der Kranke unterwegs sterben würde. Eine Zeitung be(chämte die vornehmen Lords, die einen solchen Mann so kläglich enden ließen; sie eilten hinzu und gaben ihre Karten bei ihm ab. Bei dem Leichenbegängnisse trugen zwei Brüder des Königs, Herzöge, Grafen, Bischöfe, die ersten Männer Englands den Sarg oder folgten ihm. Ein eigenthümlicher Kontrast, der uns fein ganzes Leben und Talent im Abriß zeigt: Lords im Leichenzuge und Gerichtsdiener am Sterbebette.

Dem entspricht auch sein Theater: Alles ist da glänzend, aber das Metall ist nicht ganz sein eignes und nicht immer das gediegenste. Das sind Gesellschaftscomödien, die amüsantesten, die man je geschrieben hat, aber auch nichts Anderes. Man denke sich die übertriebenen Carricaturen, die die Künstler jo flüchtig hinwerfen, gegen elf Uhr Abends in einem Salon, wo man intim verkehrt. Sein erstes Stück „The Rivals“ und später „The Duenna“ und „The Critic“ sind damit überladen und enthalten kaum etwas Anderes. Da ist Mrs. Malaprop, ein albernes, eingebildetes Frauenzimmer, das sich ohne allen Sinn und Verstand hochtrabender Worte bedient, tas sich viel darauf einbildet, die „epitaphs“ so richtig vor die Substantiva seken zu fönnen (a nice derangement of epitaphs), und erklärt, ihre Nichte jei ebenso Halsstarrig als eine „allegory“ an den Ufern des Nils. Da ist Mr. Acres, der, plötlich zum Bramarbas geworden, sich in ein Duell einläßt, aber, an Ort und Stelle angekommen, die Wirfungen der Kugeln bedenkt, sich das Testament, das Begräbniß, die Einbaljamirung vergegenwärtigt und zu Hause zu sein wünscht. Da

ist ein ungeschlachter, feiger Diener, ein lärmender aufbrausender Vater, ein sentimentales, romantisches junges Mädchen, ein reizbarer irischer Raufbold. Das Alles zieht in buntem Gemisch an uns vorüber, ohne zuviel Ordnung, mitten unter den Verwickelungen einer doppelten Intrigue, durch viele Auskunftsmittel und Zufälligkeiten hindurch, ohne von einer umfassenden Hauptidee regelrecht beherrscht zu werden. Aber wenn man auch das Flickwerk wahrnimmt, es ist leben brin, das Alles mit sich fortreißt; man lacht aus vollem Herzen; jede einzelne Scene geht rasch und belustigend vorüber; man vergißt, daß der plumpe Diener ebenso geistreiche Bemerkungen macht als Sheridan selbst, und daß der jähzornige Edelmann ebensogut spricht, wie der eleganteste Autor. *) Der Dichter ist zugleich auch Scriftsteller. Wenn er durch Geist und unterhaltenden Witz sich und Andere amüsiren will, so vergißt er doch nicht das Interesse seines Talentes, die Sorge für seinen Ruhm. Er hat Geschmack, er würdigt die Feinheiten des Stils, den Werth eines neuen Bildes, eines frappirenden Contrastes, einer witzigen und wohlüberlegten Anspielung. Ihm eignet vor Aűem Geist, ein wundervoller Geist der Unterhaltung, die Kunst, stets die Aufmerk= samkeit zu fesseln und zu erregen, beißend, abwechselnd, überraschend zu sein; er versteht eine treffende Antwort zu geben, die Thorheit ins rechte Licht zu seßen und Schlag auf Schlag Geistesbliße und glück= liche Wendungen zu häufen. Er vervollkommnete sich nach seinem ersten Stücke, er erwarb sich Bühnenkenntniß; er feilt und streicht, er probirt die verschiedenen Scenen, arbeitet sie um und gruppirt sie; er will, daß Nichts das Interesse Hemme, daß keine Unwahrscheinlichkeit den Zusdauer störe, daß sein Lustspiel sich mit der Bräcision, Regel

*) Acres: Odds blades! David, no gentleman will ever risk the loss of his honour!

David: I say then, it would be but civil in honour never to risk the loss of gentleman. Look’ee, master, this honour seems to me to be a marvellous false friend; ay, truly, a very courtier-like servant.

Sir Anthony: Nay, but Jack, such eyes! so innocently wild, so bashfully irresolute! Not a glance but speaks and kindles some thought of love! Then, Jack, her cheeks! so deeply blushing at the insinuations of her telltale eyes! Then Jack, her lips! O Jack! lips, smiling at their own discretion! and if not smiling, more sweetly pouting, more lovely, in sullennes!

mäßigkeit und Sicherheit einer guten Maschine bewege. Er ersinnt Scherze, erseßt sie durch bessere, spißt alle seine Späße zu, schnürt sie wie ein Bündel Pfeile zusammen und schreibt eigenhändig auf die Iekte Seite: „Fertig Gott sei Dank – Amen!" Er hat Recht, denn das Werk hat Mühe gekostet; er wird nicht ein zweites schreiben. Diese Art Schriften, künstlich und gedrängt wie die Satiren von la Bruyère, gleichen einer ciselirten Phiole, wo der Verfasser all sein Denken, all seine Belesenheit, all seinen Geist ohne Vorbehalt destillirt hat.

Was finden wir in jener berühmten School for Scandal? Und wie hat er es angefangen, um die englische Komödie, die Tag für Tag immer mehr erlosch, mit dem Glanze eines legten Erfolges zu umkleiden?

Er nahm zwei Charaktere aus Fielding, Blifil und Tom Jones, zwei Stücke von Molière, le Misanthrope und le Tartufe; und aus diesen wirksamen, mit wunderbarer Gewandtheit verarbeiteten Stoffen schuf er das brillanteste Feuerwerk, das man je gesehen. Bei Molière gibt es nur eine Lästerzunge, Célimène; die anderen Personen find nur dazu da, ihr ein Stichwort an die Hand zu geben; man hat völlig genug an einer solchen Spötterin; auch treibt sie ihren Spott ziemlich maßvoll, ohne Haft, wie eine wahre Königin des Salons, welche Zeit zu plaudern hat, die sich gern Hört und die auch weiß, daß sie gern gehört wird; sie ist eine vornehme Dame, die den Ton feiner Conversation zu wahren versteht; ja, um die Schärfe zu mildern, werden ihre Verläumdungen durch den ruhigen Verstand und die vernünftigen Reden der liebenswürdigen Eliante unterbrochen. Molière stellt die Schlechtigkeit der feinen Welt ohne Uebertreibung dar; hier wird sie eher karrikirt als gezeichnet. „Unterthäniger Diener“, sagt Sir Peter, „Gott bewahre mich! Da sind sie Alle beisammen: mit jeder Sentenz stirbt ein guter Name.“ Sie sind in der That ganz wild; es ist eine wahre Gier und Leidenschaft; sie besudeln sogar einander, um besser zu lästern. Mrs. Candour sagt, daß ,,Lord Buffalo seine Gemahlin in einem Hause von zweifelhaftem Rufe angetroffen Habe." Sie fügt hinzu, „daß eine Wittwe in der nächsten Straße von ihrer Wassersucht geheilt und auf höchst überraschende Weise

ihre früheren Formen wiedergefunden habe."*) Ihre Wuth und Leidenschaft ist so stark, daß sie sich sogar bis zum Possenhaften herabwürdigen. Die eleganteste Salondame, Lady) Teazle, zeigt ihre Zähne, um die Lächerlichkeit einer Dame nachzuäffen, spigt den Mund und schneidet Gesichter. Reine Schranke, keine Mäßigung; die Sarkasmen sprühen wie eine Gewehrsalve. Der Dichter hat einen großen Vorrath gesammelt, er muß ihn verbrauchen. Er selbst ist es, der durch den Mund aller seiner Rollen sprichyt; er gibt ihnen allen denselben Geist, d. H. seinen eigenen, seine Fronie, seine Schärfe, seinen malerischen Schwung; was sie auch sein mögen, Laffen, Geden, alte Jungfern, es ist einerlei, für ihn handelt es sich nur um eine zwanzigfache. Er= plosion in einer Minute.

M r8. Candour: Ich kann's durchaus nicht leiden, daß man meine Freunde lächerlich macht; ich wiederhole es fortwährend meiner Cousine Ogle, und Sie alle wiffen, was für Ansprüche sie hat, die Schönheit zu critistren.

Crab: D gewiß! Sie hat das wunderlichste Gesicht eine Sammlunga aus allen Enden der Welt zusammengesucht.

Sir Benjamin: Sie hat in der That eine irische Stirn.
Crab: Schottische Haare.
Sir B.: Eine holländische Nase.
Crab: Desterreichische Lippen.
Sir B.: Einen spanischen Teint.
Crab: Und Zähne à la chinoise.

Sir B.: Ihr Gesicht gleicht einer table d'hôte in Spaa, wo es nicht zwei Gäste von einer Nation gibt.

Crab: Oder einem Friedenecongresse, wo alle Parteien ein entgegenges segtes Interesse haben, Nase und Rinn die einzigen sind, die am Ende eingwerden möchten. **)

*) Mrs. Candour: To-day, Mrs. Clackitt assured me, Mr. and Mrs. Honeymoon were at last become mere man and wife, like the rest of their acquaintance. She likewise hinted that a certain widow in the next street has got rid of her dropsy, and recovered her shape in a most surprising manner. And at the same time, Miss Tattle, who was by, affirmed that Lord Buffalo had discovered his lady at a house of no extraordinary fame, and that Sir Harry Bouquet and Tom Saunter were to measure swords on a similar provocation.

**) Mrs. Candour: Well, I will never join in ridiculing a friend; and so I constantly tell my cousin Ogle, and you all know what pretensions she has to be critical on beauty.

Ferner:*)

Crab: Wird ihm nicht lieb sein, bei seiner Ankunft zu hören, wie's Ihr Bruder treibt.

Jofeph Surface: Ich hoffe nicht, daß geschäftige Ohrenbläser schon seinen Onkel gegen ihn eingenommen haben er kann sich bessern.

Sir Benjamin: Das wollen wir hoffen. Ich für meinen Theil hielt ihn auch nie für so liederlich, als die Leute ihn ausschreien. Und wenn er gleich alle seine Freunde verloren hat, jo sprechen doch die Juden sehr gut von ihm.

Crab: Sehr wahr, auf Ehre! Wenn die Judenschaft wählen dürfte, Karl würde ein Rathsherr werden; Niemand ist dort beliebter; ich höre, er zahlt ihnen soviel Leibrenten, wie die frische Tontine, und wenn er krank ift, beten sie für seine Wiedergenesung in allen Synagogen.

Sir B.: Und Niemand lebt auf größerem Fuße. Man hat mir gesagt, wenn er seine Freunde einladet, so sekt er sich mit einem Dußend seiner Bürgen

Crab: Oh, to be sure! she has herself the oddest countenance that ever was seen; 'tis a collection of features from all the different countries of the globe.

Sir Benjamin: She has indeed an Irish front.
Crab: Caledonian locks..
Sir B.: Dutch nose.
Crab: Austrian lips.
Sir B.: Complexion of a Spaniard.
Crab: And teeth à la chinoise.

Sir B.: In short, her face resembles a table d'hôte at Spa, where no two guests are of a nation.

Crab: Or a congress at the close of a general war; wherein all the members, even to her eyes, appear to have a different interest, and her nose and chin are the only parties likely to join issue.

*) Crab: Sad comfort, whenever he returns, to hear how your brother has gone on.

Joseph Surface: Charles has been imprudent, sir; but I hope no busy people have already prejudiced Sir Oliver against him reform.

Sir Benjamin: To be sure he may: for my part, I never believed him to be so utterly void of principle as people say; and though he has lost all his friends, I am told nobody is better spoken of by the jews.

Crab: That's true, egad. If the Old Jewry was a ward, I believe Charles would be an alderman: no man more popular there, for he pays as many annuities as the Irish Tontine, and whenever he is sick, they have prayers for the recovery of his health in all the Synagogues.

Sir B.: Yet no man lives in greater splendour. They tell me, when he entertains his friends, he can sit down to dinner with a dozen of his own securities, have a score of tradesman waiting in the antechamber and an officer behind every guest's chair.

he may

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